Dörte Hansen: „Zur See“

Dörte Hansen: "Zur See"
Von der See und anderen Finstbarkeiten … Spiegel-Belletristik Bestseller (49/2022)

Erzählt Marie Te Navarro von einer abenteuerlustigen Schiffskapitänin in Über die See und führt Heinz Strunk in Ein Sommer in Niendorf seinen Protagonisten an die Nordseeküste, um dort wieder zu einem gewissen, wenn auch trunksüchtigen Lebensglück zu finden, entscheidet sich Dörte Hansen in ihrem neuesten Roman Zur See für ein Weder-Noch, weder Festland noch hohe See. Ihr Roman handelt von der Familie Sander, die auf einer Nordseeinsel lebt:

Auf allen Inseln gibt es einen, der die Sagen kennt, die alten und die neuen Mythen, all die wahren, halbwegs wahren, frei erfundenen Geschichten über diese See, die Menschen, ihre Schiffe, ihre Angst. Er muss sie weitersagen, ob er möchte oder nicht, denn die Geschichten suchen den Erzähler aus, nicht umgekehrt. Auf dieser Insel ist es Ryckmer Sander, der die Sagen kennt.

Dörte Hansen aus: „Zur See“
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Kalenderwoche 48-49. Lesebericht.

Kalenderwoche 48-49. Lesebericht.

Eine Lektüre kann auch scheitern. Ich habe mir mit Clemens J. Setz‘ Die Stunde nach Frau und Gitarre wirklich Mühe gegeben. Jede Seite, jede Zeile mit offenen Augen und elastischem Gemüt zur Kenntnis genommen. Mich über die Hunderte von Seiten mitziehen lassen, aber ohne Erfolg. Das Buch brachte keine einzige Saite in mir zum Schwingen, und so zog sich die Lektüre hin und prägte die Kalenderwochen 48-49, bis ich dann die letzten 400 Seiten in einem Rutsch hinter mich brachte.. Als Erholung las ich dann den neuesten Aufsatz von Jürgen Habermas Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und von Johann Gottlieb Fichte die Vorlesung über Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters. Als dies auch nichts brachte, nahm ich Anne Michaels‘ Wintergewölbe zur Hand und fand Trost:

Jede Nacht fiel die Temperatur bis auf den Gefrierpunkt, und die Arbeiter begannen ihren Tag am Feuer. Schon früh am Morgen kostete selbst die kleinste Anstrengung Überwindung. Man sah nie jemanden schwitzen, weil jede Feuchtigkeit sofort verdunstete. Die Männer steckten den Kopf in jeden schattigen Fleck, der zu finden war, quetschten sich in den Schatten von Holzkisten und Lastwagen. Sehnsüchtig blickten sie über den Nil in das Dunkel von Dom- und Dattelpalmen, Akazien, Tamarisken und Maulbeerfeigenbäumen. Sie hielten das Gesicht in den Nordwind.

Anne Michaels aus: „Wintergewölbe“
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