Denkwerkstatt

Sammlung von Begriffen, Stichwörter, Exzerpten, Zitaten, Apercus.
(Stand 01/2022)

ABCDEFGHI/JKLMNO /PQ/RST/UV/WX/Y/Z

A

Autorität (11. These). Vertrauensvoll Hingenommenes. Die nicht explizierte Prämisse. Das, wovon ich ausgehe, ohne zu wissen, dass ich davon ausgehe. Das Selbstverständliche. Die Referenz als Reverenz.

Autorität. Wenn überhaupt, warum nicht die Erfahrung, die Anschauung, die Beispiele. Nein, nur die Beispiele, deren Wahrscheinlichkeit jeder selbst abschätzen kann und darf und wird.

Archimedische Prinzip. Ist die Krone aus reinem Gold? Problem, die Krone hat eine komplizierte Form, deshalb kann man das Volumen nicht bestimmen. Ein Goldbarren mit gleichem Gewicht, von dem man weiß, dass er aus reinem Gold ist. Wenn selbes Material und selbes Gewicht, dann selbes Volumen. Man lege beide ins Wasser, verdrängen sie gleich Wasser, ist die Krone aus reinem Gold. Archimedes fand heraus, dass die Krone mehr Wasser verdrängt, also von geringerer Dichte war, als der gleich viel wiegende Goldbarren. Archimedes führte eine Volumenmessung eines komplizierten Körpers aus.

Antworten. Nur das Wie. Wie laufen Prozesse ab? Auf welche Weise ist etwas geschehen? Das Warum. Die Kausalität. Die Erklärung beantwortet nichts. Sie bezeichnet allerhöchstens eine Abkürzung, eine Kondensation eines komplizierten Prozesses.

B

Bedeutung (12. These). Als solche nur die Intensität durch Wiederholung, eine negative oder positive Resonanzkatastrophe. Bestärkt durch je erneutes Denken und Erinnern, Einschreiben, Einprägen, Ein-Verspuren. Will ich etwas nicht wahrhaben, muss ich es einfach nicht für wahr halten – eben nicht wahrnehmen, mich ablenken, an etwas anderes denken.

Bezugssystem (1. These). Der Ursprung meiner Gedanken bleibe ich selbst, meine Zeit, meine Erfahrung, meine Daten, meine Sinneswahrnehmung. Ich stehe im Ursprung und kann mich nicht wegabstrahieren. Ich kann nur so tun, als sähe ich mich nicht.

C

Creatio ex nihilo (3. These). Die einfachste Gegebenheit erweist die creatio ex nihilo. Die Wiederkehr des Hungers, der Müdigkeit, des Durstes, der Neugier und so weiter. Das Begehren entsteht als Leben, das über sich aus sich hinaus will.

D

Definition (10. These). Eine Definition benötigt ein inhaltliches Korrelat als Vergleich und Anschauung. Eine Überprüfbarkeit. Beispiel: „1m“ ist so lang, wie die Strecke, die das Licht in einem festgelegten (von einem anderen Maß) Bruchteil eines Musters zurücklegt (bspw. Atomuhr-Periodizität). Dieses Maß besitzt als Prozess konstante Eigenschaften (im Vergleich, nicht absolut). Mit anderen Worten, die Definition ist lediglich eine Abkürzung.

Denken (6. These). Probehandeln. Richtiges Denken meint, erfolgreiches Planen einer Handlung. Richtig bezeichnet ein Denken im Nachhinein, nie im Vorhinein. Es gibt kein richtiges Denken ohne Handeln. Es gibt nur ein den bisherigen Evidenzen nicht zuwiderstehendes Denken. Es widerspricht nicht den Erfahrungen. Aber das allein garantiert kein erfolgreiches Handeln.

E

F

G

H

I/J

Interesselosigkeit (13. These). Ein undenkbarer Begriff, ein Wort, das keinen Beobachter kennt, keinen Akteur. Quasi die Weigerung einen Autor, einen Handlungsträger zu beobachten. Die Augen zu verschließen, vor dieser Möglichkeit, etwas zu beschreiben. Nichts als eine Variante des Beschreibens. Narrativ.

Intention (7. These). Sie ändert nichts an der Handlung. Sie ist eine Narration, die eine Handlung betrifft, ihre aber keine Richtung gibt.

Ich (2. These). Eine vollständige, sich reproduzierende, selbstreferentielle, unüberschaubare Totalität einer Entscheidungsmannigfaltigkeit.

K

L

M

Maßstab (9. These). Alles im Denken ist ein Vergleich, eine Abwägung. Eine Verständigung basiert auf der Einigung auf Maßstäbe: das Urmeter, das Urkilogramm. „1m“ ist eine Einigung. Kurzum: Es gibt wenige Einigungen, die geteilt werden. Zur Akzeptanz bedarf es einer materiellen Repräsentation. Irgendeine.

N

O/P

Philosophie und ihre Wörter. Wahrheit-Geist-Vernunft-Verstand-Ontologie-Logik-Begriff-Metaphysik-Gott-Beweis-Urteil-Subjekt-Objekt-Dialektik-Intellekt-Ethik-Moral-Ding an sich-Kategorien-Immanenz-Essenz-Transzendenz-Existenz-Schein-Erscheinung-Noumen-Sein-Nichts-Creatio ex nihilo-Seele-Selbst-Form-Inhalt-Wesen-Grund-Unendlichkeit-Qualität-Defintion-Notwendigkeit-Selbstreferenz

Objektivität (14. These). Ich fühle mich einer Objektivität ausgesetzt, aber eben meiner. Ein Paranoider erfasst eine andere Objektivität – für ihn ist es objektiv klar, dass er verfolgt wird. d.h. objektiv ist ein erlebter Begriff. Die Welt spiegelt mir eine (meine) mögliche (wirkliche) Objektivität wider.

Q/R

S

T/U

V/W

Wahrheit (8. These). Evidenz besitzt eine geteilte, von anderen bestätigte, nachprüfbare Weise einer wahrscheinlichen Beobachtung. Ein spezieller Begriff für Rechtsstreitigkeiten gedacht. Ein gewissen Maß an Wahrscheinlichkeit im Anschluss an andere Wahrscheinlichkeiten. Anschlussfähigkeit.

X/Y/Z

Zukunft (4. These). Es gibt eine gegenwärtige Zukunft und eine zukünftige Gegenwart. Die zukünftige Gegenwart kennt man nicht und wird man nie kennen, so lange sie keine gegenwärtige Gegenwart geworden ist. Die gegenwärtige Zukunft ist die Projektion hin auf eine wahrscheinliche Zukunft. Diese kennt man. Man spiegelt die Vergangenheit, die man kennt über sich selbst in die Ungewissheit hinaus. Gewiss ist hier nichts.