
[keine Spoiler] Pony Show reiht sich nahtlos in das kritisch-realistische Oeuvre von Juli Zeh, die auch hier wie in Zwischen Welten oder Über Menschen literarisch den Diskursen der Gegenwart nachspürt und das Konflikt- und Spannungspotential narrativ umzuwerten oder gar produktiv aufzulösen versucht. Sie bewegt sich in jeder Hinsicht in der Lukács’schen Ästhetiktradition und greift, mal mit Witz, mal mit Ironie oder Sarkasmus heißdiskutierte Stoffe auf, die es intellektuell zu entschärfen gilt wie ein Heinrich Mann in seinen Klassikern des kritischen Realismus Der Untertan oder Professor Unrat. In Pony Show wählt sie das Thema von Caroline Wahl aus Die Assistentin, nur dieses Mal von der Seite der Vorgesetzten aus. Bethany Hell, angesehene Lektorin eines angesehenen Literatur-verlages, hat ein Auge auf Fero Lebed geworfen:
„Juli Zeh: „Pony Show““ weiterlesenBetty sagt, dass so etwas öfter passiert ist. Fero hat in ihrer Gegenwart oder sie in seiner immer wieder Dinge geäußert, die sie innerlich zusammenbrechen ließen. Auf wundervolle Weise. Als spräche nicht er zu ihr und sie nicht zu ihm, sondern er aus ihr und sie aus ihm heraus. Sie sagt, dass die Übereinstimmung zwischen ihnen transzendental gewesen ist. Gemeinsam haben sie etwas erzeugt, das über jeden Einzelnen von ihnen hinausging. Etwas Höheres. Etwas Neues. Eine unbekannte Energie. Betty zögert, denkt nach und sagt schließlich, dass es doch nicht sein kann, dass nur sie das gespürt hat. Zu so etwas gehören zwei. Wenn es nur in ihrem eigenen Kopf gewesen wäre, dann hätte es gar nicht entstehen können. Oder? Weil ich darauf keine Antwort weiß, sage ich, dass ich aufs Klo will, obwohl ich gar nicht muss.
Juli Zeh aus: „Pony Show“










