[Keine Spoiler] Schon in dem Kurzroman Das Porträt hat Jean de Palacio den Konflikt zwischen Kunst und Leben herausgearbeitet. In Veturia greift er diesen Stoff abermals auf, nun anhand einer Skulptur in den Tuilerien, die ebenfalls, angeschaut, zurückzublicken scheint. De Palacio nimmt hier noch konkreter den Pygmalion-Mythos aus dem 10. Buch in Ovids Metamorphosen auf, nach welchem sich der gleichnamige Künstler eine Kunstfigur als Liebesobjekt schafft und nur noch durch göttliche Hilfe aus seiner Besessenheit herauskommt, durch Venus, die seine Skulptur, die er sogar ankleidet und küsst, für ihn und zu seiner Besänftigung letztlich sogar zum Leben erweckt. In Veturia ersehnt sich der Protagonist, der sich alsbald beginnt, Coriolis zu nennen, nichts dringlicher als dieser Skulptur näher zu kommen, und träumt auch hiervon:
„Jean de Palacio: „Veturia“ – Rezension“ weiterlesenEr hatte den folgenden Traum: Ohne dass irgendeine Bitte geäußert worden wäre, hatte sich Veturia für das Leben entschieden. Er hatte ihr geholfen, von ihrem Piedestal herabzusteigen. Der voll erblühte, fast massige Körper hatte den Stein verlassen. Der Marmor schien erwärmt, die Hüften geschmeidig, die Coriolan getragen hatten, die Brust verhüllt, endlich den gleichgültigen Blicken entzogen, in dem schmalen, jugendlichen, nachdenklichen Gesicht hatte ein Ausdruck von Zuversicht das schmerzliche Erstaunen abgelöst. Gemeinsam verließen sie den Jardin des Tuileries auf der Seite des Jeu de Paume. Sie hatte ihren Arm unter den seinen gehakt und stützte sich leicht ab, wenn, in seltenen Momenten, ihr Schritt unsicher wurde, wie bei einer Rekonvaleszentin.
Jean de Palacio aus: „Veturia“











