
Die Riesinnen von Hannah Häffner nimmt explizit das Hexenmotiv auf, das in der Gegenwartsliteratur bereits von Olga Tokarczuk in Empusion und Jessica Lind in Mama bearbeitet wurde und stofflich seinen Niederschlag auch in Kim de l’Horizon schnell vergessenem experimentellen Text Blutbuch gefunden hat. Die Riesinnen verorteten das Geschehen wie Tokarczuk und Lind in einen alles umfassenden, alles versöhnenden Wald, in dessen Mitte ein Dorf namens Wittenmoos liegt, in welchem sich großgewachsene rothaarige Frauen gegen eine zuerst missgestimmte und abergläubische Dorfgemeinschaft durchsetzen müssen.
„Hannah Häffner: „Die Riesinnen““ weiterlesenKeine ist größer als sie, im Dorf nicht, und auch nicht im nächsten. Die anderen Frauen sind zart und irgendwie kompakt, als hielte die Welt ihre Schätze beisammen. Nur Lieselotte hat sie auseinanderlaufen lassen, von der Erde weg, dazu die Kupferwollehaare, die wütend nach dem Himmel greifen. Wer sie sieht, weiß, wer sie ist, man weiß es sofort, und sie hasst es, hasst es, hasst es. Vielleicht hätte sie es, an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, auch lieben können, aber das geht nicht, nicht hier. Hier kann sie nie etwas anderes sein als das, was sie ihr nachrufen [Satanskind], die Rotzgören, mit den verschwitzten Hemden und den grasfleckigen Knien.
Hannah Häffner aus: „Die Riesinnen“










