
[Keine Spoiler] Nach Die Hauptstadt und Die Erweiterung legt Robert Menasse nun ein drittes EU-Buch mit Die Lebensentscheidung vor, in welchem das Leben, Wirken und die Desillusionierung von Menschen im europäischen bürokratischen Dschungel narrativ beleuchtet wird und das möglicherweise als kontrapunktiver Abschluss von Menasses Brüsseler-Trilogie dient. Aufgrund seiner sehr explizit politischen Thematik lässt sich Menasses Novelle mit Büchern wie Antje Rávic Strubels Der Einfluss der Fasane, Gaea Schoeters‘ Das Geschenk oder Juli Zehs und Simon Urbans Zwischen Welten vergleichen. Im Gegensatz aber zu diesen durchaus diskursiv getränkten, didaktisch-stilistisch orientierten Erzählweisen zeigt sich Menasse in Die Lebensentscheidung eher ambigue, erzählfreudig und in der Tradition eines Max Frischs aus Homer Faber versetzt, mit welchem Die Lebensentscheidung überraschenderweise viele strukturelle Motive teilt. Menasses Held heißt hier Franz Fiala, stammt aus Wien und befindet sich im neunundfünfzigsten Lebensjahr und ist seines Brüsselers EU-Wirken eindeutig müde geworden:
„Robert Menasse: „Die Lebensentscheidung““ weiterlesenAber die Bauern da unten kannten und wollten keine Kompromisse. Seine Wut wuchs. Sie war eine Wut auf die Wut, auf diese dumme, herrische, aggressive, unversöhnliche Wut der Demonstranten, oder der sogenannten Protestwähler, der »Menschen da draußen«, die man »ernst nehmen« müsse, wie die Politiker so gerne betulich sagten, als wären »da draußen« nur Bauern, Rechtsextremisten, Faschisten oder Idioten, die angeblich keine Faschisten waren, sondern nur Faschisten wählten, das müsse man auseinanderhalten, und genau das war die Politik: auseinanderhalten, und dann versprechen, Brücken zu bauen, Gräben zuzuschütten.
Robert Menasse aus: „Die Lebensentscheidung“














