
Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026: Über das Rotlichtmilieu der Weimarer Zeit existieren einige namhafte Romane, bspw. Alfred Döblins Berlin-Alexanderplatz oder Vicki Baums Menschen im Hotel in Berlin oder wie Hans Falladas Wer einmal aus dem Blechnapf frißt und Klaus Manns Mephisto teilweise auf der Reeperbahn in Hamburg spielen. Anja Kampmann fügt nun mit Die Wut ist ein heller Stern einen weiteren hinzu, der in St. Pauli spielt und die Auswirkungen der Machtergreifung im Jahr 1933 auf die Verhältnisse der Hamburger Unterwelt beforscht. Im Zentrum des Geschehens steht das Varieté Alkazar, geleitet von einem Arthur Wittkowski, dessen eine Hauptattraktion Edda Récord heißt, die mit ihrem unerschrockenen Sturz hinab zu einem Paar fauchender, hungriger Kaimane in ihren Bann reißt:
„Anja Kampmann: „Die Wut ist ein heller Stern““ weiterlesenVon hier oben starre ich hinunter wie in einen dunklen Sumpf, ein Wirbel auf der Trommel, der lauter wird. Langsam lasse ich mich einmal herunter, halte inne, unten die Kaimane, das Publikum, sie sehen meinen Hals, die Arme, dann lasse ich mich fallen, die Drehung, rasch, auf sie zu, ich wirbele herum, rum, bleibe über ihnen waagerecht in der Luft, die Arme gestreckt bis in die Fingerspitzen. Applaus, die Dschungelnacht, das Mädchen läuft das Seil wieder hinauf, dreht sich, ich drehe mich, alles ist ganz leicht.
Anja Kampmann aus: „Die Wut ist ein heller Stern“










