
von Helene Bukowski. Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026
Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026: Jugend in der DDR, Coming-of-Age im sozialistischen Korsett taucht in der Gegenwartsliteratur in verschiedensten Konnotationen auf: im Zusammenhang mit der Staatssicherheit in Charlotte Gneuß‘ Gittersee; in der Auseinandersetzung mit der als gewalttätig empfundenen Großelterngeneration in Anne Rabes Die Möglichkeit von Glück; oder als Rebellion gegen die strikten Sexualmoralen in Bettina Wilperts Herumtreiberinnen. Diese Beispiele zehren von den wegbereitenden Romanen von Ulrich Plenzdorf mit Die Leiden des jungen W. oder von Brigitte Reimann mit Franziska Linkerhand. Helene Bukowski amalgamiert in ihrem Wer möchte nicht im Leben bleiben die Stimmung von Reimann mit dem Stoff eines Christoph Heins aus Der Tangospieler, indem sie eine junge Pianistin in ihrem Werdegang durch die Jugendjahre in Neubrandenburg und nach Moskau hin verfolgt:
„Helene Bukowski: „Wer möchte nicht im Leben bleiben““ weiterlesenDu sitzt auf den kalten Dielen in der Wohnung deiner Eltern und schaust dabei zu, wie sie alles, was sich in den Räumen befindet, zusammensuchen und verpacken. Fünf Jahre alt bist du, als ihr aus Leipzig fortzieht. Dein Vater litt wieder an seinem Magenleiden. Er aß kaum noch. Man hatte ihm an der Oper gekündigt. Zu oft hatte er bei den Proben aufbegehrt, mehr Lohn gefordert, weniger Arbeitszeit. Jetzt war ihm eine Stelle als stellvertretender Direktor und Gesangslehrer an der Musikschule in Neubrandenburg angeboten worden.
Helene Bukowski aus: „Wer möchte nicht im Leben bleiben“










