
Einer der Pop-wirksamsten Titel über weibliche Gewalt stammt aus dem Jahr 1994 aus Frankreich: Baise-moi von Virginie Despentes. In letzter Zeit mehren sich ähnliche Titel auch in der deutschen Gegenwartsliteratur, und Orca von Franziska Gänsler setzt diese Reihe fort. Zu nennen wären bspw. Claudia Schumachers Liebe ist gewaltig, Fiona Sironic‘ Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft oder Bettina Wilperts Herumtreiberinnen. Gewalt erscheint hier einerseits als Widerstand, Selbstbehauptung, aber auch Selbstbefreiung. Gänsler nimmt in Orca noch die Selbstoptimierung, Krafttraining und Bodybuilding auf und versetzt ihre Handlung in das Klimaaktivismus-Milieu. Hieraus ergibt sich unter dem Deckmantel des politischen Widerstandes eine explosive Mischung zwischen Erobern, Erobert-Werden-Wollen, Lieben und Geliebt-Werden und der Sehnsucht nach einem Ort, wo sich die Hauptfigur, Caro Melchior, endlich zuhause und begehrt fühlen könnte:
„Franziska Gänsler: „Orca““ weiterlesenUnter meiner Jacke trug ich ein schwarzes Top, das eng anlag, winzige Träger, im Rücken nur Schnüre. Dazu eine weite, tief sitzende Jeans, einen weißen Tanga, den man sah, wenn ich mich bückte oder setzte. Es war ein Outfit, wie Olympia es tragen würde. Meine Haare in einem hohen Zopf, zwei Strähnen draußen, auch das hatte ich von ihr. Den Lipliner, die Wimpern, alles. Ich wusste, dass ich darin gut aussah, gut genug, dass Männer mich ansprachen, meine Muskeln kommentierten, meine Augen. Bambi auf Anabolika, hatte einer von ihnen mal gesagt.
Franziska Gänsler aus: „Orca“









