
[Enthält keine Spoiler] Sanditz bearbeitet das Thema DDR unter dem Fokus von Männerliebe und/oder abwesenden Vätern und stellt sich als eine Art Vermittlerroman zwischen Lutz Seilers Kruso und Clemens Meyers Die Projektoren dar, und zwar unter der ästhetischen Ägide eines Uwe Tellkamp mit seinem Der Turm, von dem Rietzschel viele Motive und strukturelle Zusammenhänge aufnimmt, diese aber von der DDR-Intelligenz und Oberschicht in den Alltag der arbeitenden Bevölkerung verlegt. Sanditz, ein fiktiver Ort in der Lausitz, in Mitleidenschaft gezogen vom angrenzenden Braunkohletagebau, mehr oder weniger wirtschaftlich aktiv durch ein Flachglaswerk, wird geprägt durch eine außerordentliche Tristesse:
„Lukas Rietzschel: „Sanditz““ weiterlesenStreng genommen wurde alles, was die Umsiedlung wegen des Braunkohletagebaus erträglicher gemacht hätte, vernachlässigt. […] Eine Schule wollten sie wieder haben, idealerweise einen Bahnhof, und wenn schon keine alten Bäume, dann wenigstens neue, in großer Zahl, angepflanzt zu einem kleinen Park. Und eine Kirche mit Geläut. […] was hatten sie bekommen? Keine Schule, keinen Fleischer, keinen Bäcker, keinen Friedhof, keine Kirche. Von Linden oder einem Bahnhof ganz zu schweigen. Vier flache Häuser an einer Straße, das war die Entschädigung.
Lukas Rietzschel aus: „Sanditz“














