Slata Roschal: „Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt“

Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt von Slata Roschal
Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt von Slata Roschal

Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt heißt das neue Buch von Slata Roschal. Im Anschluss an zwei Prosatexte, die nur mit Mühe Roman genannt werden können, namentlich 153 Formen des Nichtseins und Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten, legt sie nun eine lyrische Arbeit vor, die formal gesehen der Thematik ihres Gegenstandes viel eher entspricht. Roschal zeigt sich als dadaistische Poetin, die die fragmentierten Sinngehalte ihres Lebensraumes mit Wortakrobatik zu bannen sucht und zeigt, wie Autofiktion viel eher als lyrische Grundstimmung, denn als prosaische Selbstbetrachtung umgesetzt werden kann.

Ich brauche einen Waffenschein ein neues
Bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt
Wen kann ich tragen mit wem soll ich mich verbinden
Mach deinen Liebsten eine Freude sagt der Gärtner
Begrab dich selbst und leg dir deutsche gelbe
Stiefmütterchen zur Hand oder rote Plastiknelken
Dieser Tag macht keinen Sinn er sollte
Als Ordnungswidrigkeit behandelt und verboten werden
Slata Roschal aus: „Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm …“

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Pascal Mercier: „Der Fluss der Zeit“

Der Fluss der Zeit von Pascal Mercier.
Der Fluss der Zeit von Pascal Mercier. Spiegel Belletristik-Bestseller 2026.

Lange, über etliche Hunderte Seiten sich erstreckende Erzählungen, also Romane, entstehen in der Zeit der zunehmenden Privatisierung und Atomisierung der Gesellschaft hin zu individuellen Sozialräumen. Walter Benjamin nannte diese Entwicklung in Erfahrung und Armut eine Form von narrativer Entwertung, denn das Erzählen selbst wurde zunehmend unpersönlicher und selbstbezogener. Mercier, bekannt durch seinen Roman Nachtzug nach Lissabon und Perlmanns Schweigen, hingegen beruft sich implizit auf diese ältere Form des Erzählens und setzt dies in seinem posthum erschienen Der Fluss der Zeit, einer Erzählsammlung fort:

Ich schreckte aus einem leichten Schlaf auf. Es war drei Uhr. Alle Fenster in der Gasse waren dunkel. Ich nahm mein Notizbuch aus dem Koffer, setzte mich an den Tisch und begann, die Stationen meines Lebens aufzuschreiben. Was war wann geschehen? Was für Spuren hatte es in mir hinterlassen? Es gab längere Abschnitte, von denen ich überhaupt nichts mehr zu wissen schien. Dass es solche Lücken des Erinnerns gab, wusste ich natürlich, das würde bei jedem so sein. Doch jetzt, an dem Tisch, an dem ich vor vierzig Jahren meine Referate geschrieben hatte, geriet ich über das Vergessen in Panik. Mir war, als hätte ich mich verloren, noch dazu, ohne es bemerkt zu haben.
Pascal Mercier aus: „Der Fluss der Zeit“

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