Schon der Titel von Julia Josts Debütroman Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht erinnert an Jean Paul, der seinen Romanen ebenfalls mehrere Zeilen lange Überschriften vergönnte wie Des Rektors Florian Fälbel’s und seiner Primaner Reise nach dem Fichtelberg oder Siebenkäs. Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs im Reichsmarktflecken Kuhschnappel. Einig im Klang und im Wiederbearbeiten eines ländlichen Idylls, sei’s in Kuhschnappel oder in einem fiktiven Dorf Grabschbach am Fuß der Karawanken, teilen Jost und Jean Paul auch den Blick auf die Bewohner, die Einheimischen, auf die Irren und Wirren und bedrängenden, aber auch belustigenden und erschreckenden Vorgänge im Dörflich-Beengten:
„Julia Jost: „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht““ weiterlesenDie Gratschbacher Gegend ist ein Wald ohne Augen. Ohne Sträucher und Äste, die sich hinter deinem Rücken raschelnd zusammenbiegen, um die Todesangst vorzubereiten, die sie gleich in dir auslösen werden. Einen sprechenden Wolf gibt es auch nicht. Der dir geifernd dabei zusieht, wie du in ein Tellereisen jagst. Hinterlist und Bosheit sind, auf diese Fauna wie Flora bezogen, Kokolores. Mit einem Wort meiner Mutter ausgedrückt. Der Gratschbacher Wald und die Felder, die Wiesen, der Teich sind eine ganz übliche Summe aus Pflanzen, Wasser und Tieren, die darin wohnen. Sonst nichts. Das ist alles, was es mit der Gratschbacher Gegend auf sich hat.
Julia Jost: „Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“


