Kristine Bilkau: „Halbinsel“

Halbinsel von Kristine Bilkau
Halbinsel von Kristine Bilkau. Leipziger Buchmesse-Preis.

Das Cover von Kristine Bilkaus neuestem und mit dem Buchpreis der Leipziger Buchmesse 2025 ausgezeichneten Roman Halbinsel zeigt die Rückansicht einer Frau, die die Arme hinter dem Rücken über Kreuz hält. Um sie herum wabern drei Seifenblasen. Sie wirkt entspannt, aber auch entwaffnet und ungeschützt durch ein schwarzes Kleid, das, von zwei schmalen Trägern gehalten, die Schultern und das Kreuz der Frau unbedeckt lässt. Das Cover nimmt die Thematik des Buches auf: Vulnerabilität und Einsamkeit. Bilkau führt mit dem Buch ihren letzten Roman Nebenan weiter mit dem Stoff Familie und dem Plot Verhängnisvolles Durcheinander:

Als Linn anderthalb Jahre alt war und laufen gelernt hatte, wollte sie jede Treppe allein hochklettern. Sie zappelte und schrie, sobald ich sie auf den Arm hob, auch an die Hand durfte ich sie nicht nehmen. So viele Male stand ich mit angehaltenem Atem hinter ihr, während sie wie in Zeitlupe Stufe um Stufe hochstieg und dabei gefährlich ins Wanken geriet. Jeden Moment war ich bereit, meine Tochter aufzufangen. Ich sah das Stolpern und Stürzen in grellen Details. Bei dem Gedanken an das Geräusch, den dumpfen Aufprall, kniff ich unweigerlich die Augen zusammen. Mit dem Kind war mit einem Mal eine neue, intensive Vorstellungskraft da.
Kristine Bilkau aus: „Halbinsel“

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Kristine Bilkau: „Nebenan“

Auf der Suche nach Verbindlichkeit … Spiegel Belletristik-Bestseller (15/2022)

Der Roman „Nebenan“ spielt am Nord-Ostsee-Kanal in der Nähe von Hamburg. Er ist ganz in Blau gehalten. Blau bestimmt seine Stimmung, die Atmosphäre, das Licht und das Cover. Es hüllt die Figuren, die Handlungen, die Geheimnisse am Ufer des Kanals ein und hält die Zeit in der Schwebe. Sie vergeht langsam, bleibt hier und da beinahe stehen, nur um dann aber abrupt und spürbar zu springen, vom Winter in den Frühling, vom Frühling über Ostern in den Sommer.

Sie weiß nicht, was in ihm vorgeht, aber sie sind hier, schwerelos unter Wasser, es ist seltsam und schön. Sie wünschte, es könnte länger dauern. Sie weiß, dieser Moment lässt sich nicht wiederholen, es ist nicht möglich, dieses Erstaunen, über sie beide, über sich selbst, über den Lauf der Dinge, über das Gute, das sich darin verbirgt, noch einmal genau so zu empfinden.

Kristine Bilkau aus: „Nebenan“
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