
Das Schwarz an den Händen meines Vaters von Lena Schätte nimmt ein altbekanntes Thema auf, den Alkoholismus, und wie dieser den Zusammenhalt einer Familie gefährdet. Als Stoff im Bereich Generationen und Körper-Geist-Bewusstsein angesiedelt, berichtet eine Ich-Erzählinstanz von Prekären Kindheitserfahrungen als Plot. Weniger literarisch als autofiktional kommuniziert Schätte hierdurch dennoch mit Romanen wie Émile Zolas Der Totschläger, Joseph Roths Die Legende des Heiligen Trinkers und, gegenwartsliterarisch, bspw. mit Heinz Strunks Ein Sommer in Niendorf. Hier steht aber Motte im Vordergrund, die von dem Leben mit ihrem Vater erzählt:
„Lena Schätte: „Das Schwarz an den Händen meines Vaters““ weiterlesenWenn wir anschließend zusammen essen, ist es still am Tisch. Droht eines von uns Kindern mit allem herauszuplatzen, was wir erlebt haben, wer uns geschubst und wer uns auf den Mund geküsst hat, wirft meine Mutter uns diese Blicke zu. So starre ich auf seine Hände, während er isst. Montags grau, über die Woche immer dunkler. An Freitagen ist das Schwarz in jede Rille seiner Hornhaut gekrochen, das spröde Nagelbett tiefrot. Nur im Urlaub werden sie sauber. Ein paarmal frage ich Mama, was er da macht, wo er jeden Tag hingeht. ‚Na arbeiten‘, meint sie und hackt Zwiebeln auf einem Brett in der Küche. ‚Mit Maschinen‘.
Lena Schätte aus: „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“

