
Die Aufarbeitung der DDR eignet sich allein schon durch die übersichtliche zeitliche Beschränkung, nämlich auf vier Jahrzehnte, zum Romanstoff. Einige Romane bearbeiten deshalb die DDR auf vollumfängliche Weise, wie zuletzt in Christoph Heins Das Narrenschiff (2025), von ihren Anfängen 1949 bis zu ihrem Ende 1989. Peggy Mädlers Selbstregulierung des Herzens kann als getreue Wiederaufnahme dieses von Christoph Hein vorangetriebenen DDR-Chronik-Projekts gelesen werden, das bislang noch einige narrative Längen und kompositorische Schwierigkeiten aufweist. Wie in diesem stehen auch bei Mädler eher leitende Angestellte und Kunstschaffende im Vordergrund, insbesondere Wirtschaftswissenschaftler und Filmschaffende, und wie bei Hein spiegelt sich das Auf und Ab der DDR in den Liebesbeziehungen der Einzelfiguren wider. Mädler konzentriert sich in Selbstregulierung des Herzens zumindest auf weniger Figuren und lediglich auf das Leben rund um eine Bungalowsiedlung nördlich von Berlin, in der Nähe von Bernau:
„Peggy Mädler: „Selbstregulierung des Herzens““ weiterlesenEs ist schon eine sehr seereiche Umgebung hier. Wie die Glieder einer Perlenkette verteilen sie sich über die Landschaft, teils durch Fließe oder Kanäle verbunden. Viele sagen, der schönste See der Umgebung sei ein großer, türkis schimmernder Waldsee mit einem Werder darin. Mit dem Fahrrad oder Moped war er vom Dorf aus gut zu erreichen und nur unbedarfte Ausflügler wussten damals nichts von den Sperrgebieten dort rund um eine geheime Funktionärssiedlung einige Kilometer weiter im Wald. Die war als Wohnsitz für die Mitglieder des Politbüros obligatorisch. Kein Feierabend von den Genossen erlaubt. Manche im Ort überkommt da noch heute die Schadenfreude, denn wer sich schon in der Arbeit nicht über den Weg traue, mache sich sicher auch im Privaten das Leben zur Hölle. Und dann schwärmen sie weiter vom samtenen See, der in ihren Beschreibungen wahlweise türkisfarben oder smaragdgrün funkeln kann.
Peggy Mädler aus: „Selbstregulierung des Herzens“

