Martin Mosebach: „Die Richtige“

Die Richtige von Martin Mosebach
Die Richtige von Martin Mosebach. Mit einem Fuß im Verderben.

Die Richtige von Martin Mosebach hat als zentrale Gestalt einen bildenden Künstler, einen Maler, und stellt sich hiermit in die Reihe von namhaften Werken wie Hermann Hesses Rosshalde, Klingsors letzter Sommer oder, um den bekanntesten Vertreter zu nennen, Gottfried Kellers Der grüne Heinrich. In Hesses Rosshalde, Ernesto Sabatos Der Tunnel und Alberto Moravias La Noia verengt sich das Feld weiterhin zu ästhetisch-verarbeitete Eifersucht und visuell-malerische Inbesitznahme, an welcher Stelle Die Richtige von Mosebach einsetzt, um einen Flaubertschen Dämonieunterton diesem Stoffgebiet (Körper-Geist-Bewusstsein) und Plot (Genies und Wahnsinnige) beizumischen:

»Aber warum müssen das unbedingt immer Akte sein?«
»Das hat zwingende Gründe, die im Material liegen und vom Material vorgegeben werden. Seitdem die Brüder van Eyck die Ölfarbe zur Blüte gebracht haben, ist die eigentliche Aufgabe der Malerei die Schilderung der Haut – erst die Ölfarbe kann eine Suggestion nicht nur von Materie, sondern von lebendiger Materie schaffen. Die Haut ist die Hohe Schule der Ölmalerei. Mit ihr erst kann die Tiefe, die Wärme, die Durchpulstheit der Haut nachgeschaffen werden. Mit ihr verliert die Zeichnung, die Linie ihre Be-deutung, die sie bis dahin behauptet hat. Wer als Maler mit Ölfarben darauf verzichtet, sich dieser Herausforderung zu stellen, hat das verfehlt, was einzig sein Material hervorbringen kann.«
Martin Mosebach aus: „Die Richtige“

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Martin Mosebach: „Krass“

Krass
Krass von Martin Mosebach. Ein Anti-Bildungsroman.

Martin Mosebach gehört in den Umkreis der als kulturell rückwärtsgewandt eingestuften Schriftsteller wie Botho Strauß, Uwe Tellkamp oder Martin Walser. Schreibt Tellkamp klar in der Tradition eines Ernst Jünger, so findet Mosebach in Heimito von Doderer sein literarisches Vorbild und teilt die zutiefst innige sprachliche Rückverbindlichkeit mit Martin Walser, der sich in späten Jahren in Nachfolge eines Emanuel Swedenborg gesehen hat. Klagen Strauß und Tellkamp aber eher mit der Vergangenheit im Rücken die Zukunft und Gegenwart an, so verhält es sich mit Mosebach umgekehrt. Mit der Gegenwart und Zukunft im Rücken zerstört sich ihm selbst die Vergangenheit, und es bleibt fraglich, was zurückbleibt außer Eitelkeit:

Aber man schenkte [Levcius] keine Aufmerksamkeit mehr, denn soeben näherte sich über die breite Treppe, die vom ersten Stock in die Halle führte, der Gastgeber. Sein majestätischer Körper war von einem dunklen Anzug aus leichtestem Stoff umspannt, der bei jedem Schritt Wellen schlug, als wäre er eine flüssige Substanz. Unbeweglich war dagegen sein Gesicht, aber diese Maske war jetzt zum Teil einer Komposition geworden, da Lidewine neben ihm schritt, ihn fast überragend, weil ihr reichliches, den Kopf umstehendes Haar sie größer erscheinen ließ.

Martin Mosebach aus: „Krass“
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