
Reichskanzlerplatz von Nora Bossong stellt sich in die Reihe der Gegenwartsromane, die die Weimarer Republik und darauffolgende Zeit des Dritten Reiches beleuchten. Stellvertretend seien hier genannt: Daniel Kehlmanns Lichtspiel, Eva Menasses Dunkelblum und Florian Illies Liebe in Zeiten des Hasses. Hier bietet aber nicht das Öffentliche Miteinander den Stoff, sondern die Liebe, und als Plot setzt Bossong auf Unerfüllte Liebe und Eifersucht. Die geschichtlichen Umstände dienen allenfalls als Bühne für ein sehr intimes, privates Drama, das vom Ich-Erzähler Hans, der sich in Hellmut Quandt verliebt, der Hans‘ Liebe aber nicht erwidert, stattdessen die spätere Magda Goebbels umwirbt:
„Nora Bossong: „Reichskanzlerplatz““ weiterlesen[Hans,] pass bitte auf dich auf, flüsterte [Karl].
Ich spürte die Wärme seiner Hand, sie fuhr meine Schläfe entlang über meine Wange.
Du weißt, wer Hellmuts Stiefmutter heute ist?, fragte er leise. Der Teufel, antwortete er selbst, und ich erschrak über das Wort, weil es in der Dunkelheit fiel und weil Karl nicht mehr flüsterte und vielleicht weil ich immer gedachte hatte, das Worte gehöre zu Magdas Mann.
Nora Bossong aus: „Reichskanzlerplatz“

