Im Zeitalter der globalen Vernetzung von Kommunikation wächst auch eine neue Form des globalen Bewusstsein. Die neuen Transport- und Kommunikationsweisen führen zu einem neuen Raum- und Zeitgefühl, das planetare Ausmaße erlangt. In der Literatur erscheint dieses in Romanen wie dem von Joshua Groß Prana Extrem oder Leona Stahlmanns Die ganzen belanglosen Wunder. Texte dieser Art besitzen einen eher kollektiven Sog, eine gemeinschaftlich spirituell gesättigte Gegenwartsgeste und zeichnen sich durch Entgrenzungen aus wie auch Sibylle Berg in RCE. Eine ältere Variante dieser Form der Literatur findet sich bei Peter Handke, zum Beispiel in Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), oder noch älter in Karl Philipp Moritz‘ Anton Reiser (1790). Reisen, Entgrenzen, kosmisches Bewusstsein thematisiert auch Samantha Harvey in Umlaufbahnen, das 2024 den Booker Prize zugesprochen bekommen hat:
„Samantha Harvey: „Umlaufbahnen““ weiterlesenZu sechst hängen sie in einem großen H aus Metall über der Erde. Sie drehen sich kopfüber, vier Astronauten und Astronautinnen (aus Amerika, Japan, Großbritannien, Italien) und zwei Kosmonauten (beide aus Russland); zwei Frauen, vier Männer, eine Raumstation, bestehend aus siebzehn miteinander verbundenen Modulen, unterwegs mit achtundzwanzigtausend Kilometern die Stunde. Sie sind lediglich die letzten sechs in einer Reihe von vielen, nichts an ihrer Mission ist noch außergewöhnlich, die Anwesenheit von Menschen im Hinterhof der Erde mittlerweile Routine.
Samantha Harvey aus: „Umlaufbahnen“


