Leona Stahlmann: „Diese ganzen belanglosen Wunder“

Leona Stahlmann: „Diese ganzen belanglosen Wunder“
… dem täglichen Kosmos Adieu gesagt … eingeladen zum Bachmann-Preis 2022.

Untergangsstimmung lässt sich auf mannigfaltige Weise verbreiten. Beispielsweise kurz und prägnant, frustriert oder deprimiert, leidend, wütend, bangend oder klagend – Leona Stahlmann wählt in ihrem neuesten Roman einen anderen Weg. Sie verliert sich in den Details und Bruchstücken einer verlorengegangenen Welt, ohne sie zu betrauern. Sie nimmt die Veränderung an, bleibt in Bewegung, tanzt mit. Im Zentrum ihres Buches steht deshalb auch ein großer, sich ständig verändernder Fluss, einer, der nie bleibt, was er gewesen ist. In Diese ganzen belanglosen Wunder äußert sich so auch kein Widerstandswille, vielmehr der Wunsch, dem Weltganzen sanfter und viel behutsamer auf den Pelz zu rücken, denn das Einzelne wird zum Einzelnen durch das Unnennbare:

Ich habe zum ersten Mal etwas vergessen, was Stine ausmachte, was jeden auf eine zwingende, entblößende Weise ausmacht und nie vollständig durch einen anderen ersetzt werden kann, weil es immer Abweichungen geben wird, Klafter und Spalten, in denen das Entscheidende aufbewahrt wird. Man kann nicht den Finger darauflegen und es selten benennen. Es liegt immer einen Zungenschlag neben der Sprache. Vor dem Wort, das man sucht. Hinter dem Bild, das man bemüht. Aber man kann es spüren und riechen und sich seinen Geschmack einprägen. Man kann es vergessen.

Leona Stahlmann aus: „Die ganzen belanglosen Wunder“

Wer dort spricht, ist Katt. Sie spricht im Buch nicht von Anfang an. Sie spricht auch nicht bis zum Ende. In Diese ganzen belanglosen Wunder mischen sich die Perspektiven von vielen. Katt ist eine der Figuren, die mit Zeno, einem zwölfjährigen Jungen, am Ufer eines Flusses, der Blanke Elle genannt wird, lebt. Zenos Mutter heißt Leda. Sie wohnt mit ihrem Sohn in einer Bruchbude, außerhalb der Stadt, in ärmlichen Verhältnissen, inmitten von Salinen und Walnussbäumen, und hält sich mit dem Verkauf von Früchten, Salz und Nüssen über Wasser. Zeno geht zur Schule, lebt aber kein normales Leben. Sein bester Freund ist Stint, ein Seidenhuhn, und wenn er nicht mit seiner Mutter zusammen arbeitet, die Felder pflegt und die Hühner füttert, fährt er in die Stadt, zieht sich dort im Gebüsch aus und läuft heimlich und versteckt nackt an den Fenstern der Häuser vorbei und klettert auf Bäume, um die User einer Dating-App seines Smartphones ausfindig zu machen:

Ein Nieselschleier wird vom nächsten Wind über den Haufen Geröll gelegt, feine eisige Tröpfchen treiben den winkenden Tentakel, den elfjährigen Jungen, der nackt dort steht, der Wind geht ihm durch die Haare, die ihm bis zwischen die Schulterblätter fallen, sie wischen mit dem klammen Zug der Februarluft in struppigen Pinseln über seinen Rücken, die einzige helle Fläche zwischen den konturlosen Haufen der Steine und der dunklen Konifere. In seiner Hand liegt warm das Gerät.

Der Roman beginnt in der Er-Perspektive, auktorial. Das Leben Ledas und Zenos wird distanziert beschrieben, aber nicht chronologisch, nicht geordnet. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Wind und Wetter wehen unberechenbar über die Lande. Trockenheit, sintflutartige Regengüsse, Dürre und Überschwemmungen muten der Bevölkerung viel zu. Leda strebt kein normales Leben für sich und ihren Sohn an. Das normale Leben bespitzelt und sieht Zeno vielmehr, sobald er nackt durch die Gärten der Vorstadtbungalows streift. Es setzt sich aus Erwachsenen zusammen, die auf ihre Geräte, also Smartphones, starren und nach neuen Kontakten und Chatmöglichkeiten Ausschau halten:

Zeno sieht jeden Abend das Gleiche hinter den Fenstern der Bungalows. Die Bungalows sind wenige Quadratmeter klein und nur für einen gedacht, und oft sitzen die Bewohner der Bungalows in ihren Schlafzimmern, Wohnzimmer gibt es nicht, auf Polstermöbeln und blicken auf das Display ihrer Geräte. Zeno geht von Fenster zu Fenster, und die Bungalowbewohner wischen mit dem Daumen von links nach rechts oder von rechts nach links. Es ist eine gelangweilte Regelmäßigkeit in dieser Bewegung, die die Satellitenstadt nach 19 Uhr erfasst hat.

Leda entflieht dieser Einöde, indem sie eine Liebesaffäre mit einem Fischgesangssammler beginnt. Nachdem diese aber unglücklich zu Ende geht, reist sie, Zeno alleine zurücklassend, aber im Wissen, dass dieser nun für sich selbst sorgen wird, nach Madagaskar, um die Mangarahara-Barsche in Wirklichkeit singen zu hören. Zeno verhungert fast. Als die goldene Original Winkekatze auf Ledas Fensterbrett im Schlafzimmer aufhört zu winken, nimmt Zeno Kontakt mit dem Hersteller auf, um Garantie geltend oder Reparaturmöglichkeiten ausfindig zu machen. Er lernt Maju kennen, eine widerborstige Person, die sich hauptsächlich von Sonnenblumenkernen ernährt, aus dem Fenster starrt und mit ihrem Leben unzufrieden ist. Sie bemerkt, dass Zeno alleine ist, und sorgt sich um ihn.  Später zieht sie in die Marschen, um Zeno Gesellschaft zu leisten und ihn mit dem Sammeln und Verkauf von Napfschnecken finanziell zu unterstützen. Als Katt Maju trifft, beschreibt jene diese so:

Eine Frau reicht mir einen dampfenden Becher. Sie ist älter als die anderen, ihre Augen mandelförmig, das schwarze Haar ist von silbrigen Stellen durchzogen, als wäre sie durch die Netze der Spinnen in den Walnussbäumen getaucht, ohne den Kopf einzuziehen, einzelne Strähnen sind zu dicken Dreadlocks gewalkt, die sie sich mit einem Stück Paketschnur lose aus dem Gesicht gebunden hat.

Die anderen, die jünger als Maju sind, heißen Pella, Golden und Janusz. Auch sie ziehen zu Zeno, nachdem sie ihr bürgerliches Leben hinter sich gelassen haben, vom Schreibtischstuhl aufgestanden, nicht mehr zurückblickend, durch die Straßen und Verkaufs- und Möbelhäuser gezogen sind und dort in einem fort Unfug veranstaltet haben. Wie Pella, Golden und Janusz Zeno kennenlernen, wird nur angedeutet. Sie haben sich wohl am Fluss getroffen, wo die drei in Winterskälte wiederholt nackt ins Wasser gesprungen sind, obwohl sie nicht schwimmen können, und deshalb einiges Aufsehen bei der lokalen Presse verursacht haben:

Die Reporterin hielt Janusz, der schon bis zum Bauch im Wasser stand, das Mikrofon unter die Nase, Können Sie, sagte die Reporterin, unseren Zuschauern das erklären, Sind Sie eine offizielle Bewegung, sind Sie suizidal, ist es vielleicht etwas Politisches, und Pella stellte sich neben Janusz und ich [Golden] stellte mich neben Pella und wir schmiegten uns aneinander, ich glaube, wir sahen aus wie eine Einheit, ich glaube, dass wir es nur taten, weil es wirklich kalt wurde in diesem Wind, In der Hauptsache, sagte ich, fällt uns nichts Besseres ein, und was soll man auch tun, und ich verlagerte mein Gewicht, damit der Kiesel sich nicht weiter in meine Fußsohle drückte, wenn die Preiselbeermarmeladenspender im Möbelhaus leer sind, sie wirklich alle leer sind.

Von Zenos Freundeskreis und Wahlfamilie bleibt nun nur noch Katt übrig, die Zeno über eine Dating-App kennenlernt. Katt versucht, sich über das unglückliche Ende ihrer Beziehung mit der Lebenskünstlerin Stine hinwegzutrösten, indem sie chattet, unter anderen mit Zeno, bis sie bemerkt, dass Zeno weder weiblich noch erwachsen, sondern ein zwölfjähriger, einsamer Junge ist, der allein und von allen isoliert im Flussdelta wohnt. Aus Sorge zieht sie zu ihm. Aus Sorge bleibt sie, wie alle anderen, bei ihm und hilft ihm. Eine eigenartige Gemeinschaft bildet sich. Sie handeln zusammen, helfen, interagieren, ohne einen tieferen Zusammenhang zu suchen. Sie haben kein Motto, kein libidinöses Interesse aneinander. Sie sind da, einfach an diesem Fluss, während alles aus den Fugen gerät, Wind und Wetter über die Landen fegt und eine Endzeitstimmung über die Menschheit hereinbricht:

Wir stellen keine Fragen mehr danach, woher die Stellen [auf unserer Haut] kommen und was sie bedeuten. Wir sind füreinander da. Wir kratzen einander, wir müssen nichts befürchten. Wir haben uns.
Was wir sind, fragt keiner, bis ich es doch fragen muss. Wir sind alles, sagt Janusz, aber wir sind keine Gemeinschaft. Dass das klar ist. Wir wollen uns nicht zum Wir einladen, wir wollen uns, ganz im Gegenteil, vom Wir ausladen, wir wollen uns das Ich anbieten.
Wir haben keine gemeinsamen Ziele, nur unsere eigene überschaubare Zufriedenheit auf der bescheidenen Strecke eines einzelnen Tages, einer Woche vielleicht, nicht länger.  

Wie die Zitate zeigen, entwickelt sich der Roman aus einer Er-Perspektive über eine Ich-Perspektive in eine Wir-Perspektive. Die Figuren bilden Knotenpunkte des Erzählgeschehens. Aus ihnen heraus entspinnen sich Bilder und Eindrücke, Wünsche und Hoffnungen, Träume und Assoziationen der einzelnen Beteiligten. Ohne soziales Umfeld bleiben sie nackt, nur mit Erinnerungen ausgestattet, arbeiten, leben mit dem Fluss, den Gezeiten, kümmern sich um die Tiere, um Zeno, kümmern sich umeinander. Das Große und Ganze verschwindet hinter dem Horizont. Nur das Kleine bleibt, Spinnweben, Steine, Rinnsäle, das Knistern und Knacken des Holzes. Das einsame Winken der Katzenfigur spiegelt sich in der Metapher einer ins Leere gehenden Hoffnung. Diese Reise vom Er zum Wir, über das Ich zurück zum Ich, versinnbildlicht einen Optimismus, der zu einem physischen Reflex amalgiert ist:

Ich habe keinerlei Anlass, an etwas zu glauben, das weiter entfernt ist als morgen. Ich bin niemandem etwas schuldig, schon gar kein Übermorgen, keine nächste Woche. Aber ich kann es einfach nicht lassen. Ich würde es niemals laut sagen. Ich glaube an die Zukunft in einem sinnlosen, hartnäckigen Reflex, wie ein Bein, wenn man auf den Knienerv schlägt, immer austreten wird: in die Luft, ins Leere.

Es ist Katt, die das schreibt. Es gilt aber für die anderen auch. Sie besitzen keine ausladenden Persönlichkeiten mehr. Sie verspüren keine Ambitionen. Ihre Ziele haben sich in Luft aufgelöst. Beziehungen scheitern. Pläne verflüchtigen sich. Hoffnungen werden zu leeren, nichtsdestotrotz handlungsweisenden Gesten. Einige reisen. Andere suchen. Am Ende zählt nichts als das Wirkliche, das Allernächste und Nahste, das Unmittelbare, Spürbare, Reale, das mit Händen und Füßen, mit allen Sinnen wahrgenommen werden kann:

 Ich beginne etwas über Zeno zu begreifen. Zeno, die ganze kleine, dünne, weise Person Zeno und sein Leben bauen auf einem Dreiwortsatz auf: was da ist. Was nicht da ist, was es nicht gibt, ist nie entscheidend; es ist nicht einmal wert, erwähnt zu werden. In der Marsch geht in ständiger, gleitender Wechsel vonstatten, so natürlich wie ein Umschwung des Wetters; ein Wechsel, der etwas, das nicht da ist, gegen etwas austauscht, was dann kommt […]

Leona Stahlmann schreibt in ihren Roman über all das, was jenseits der sozialen Konventionen liegt und über sie hinaus zu reichen vermag. Um einen Endzeitroman handelt es sich vor allem deshalb. Sie schreibt über die Sozialräume hinweg und aus ihnen heraus. Es wimmelt in dem Buch von Brüchen, zerstörten Metaphern. Die Sprache kreiert eine eigene, in Mitleidenschaft gezogene Schönheit. Thematisch wie stilistisch verbindet dieser Roman viel mit Valerie Fritschs Winters Garten. Atmosphärisch, die Nähe zum Fluss, die trägen Schleppkähne vor den Fenstern erinnern an Kristine Bilkaus Nebenan, und das wilde Durcheinander, die Frivolitäten, das Clowneske eines entfesselten, außer Rand und Band geratenen Wirs an Ingomar von Kieseritzky in Das Buch der Desaster oder Thomas Kunsts Zandschower Klinken:

Wir wollen keine Gewebeprobe. Wir sind zu alt für diesen Scheiß. Wir stürzen Industrie, Politikapparat und sämtliche Verwaltungsorgane mit einer flächendeckenden, überdimensionalen Krankschreibung. Wir fahren jetzt los. Wir halten nicht mehr an. Wir sind uns einig. Wir kommen unter Schmerzen wieder zu Kräften. Wir simulieren nicht. Wir heben unser Leben für später auf. Wir sagen dem täglichen Kosmos adieu.

Thomas Kunst aus: „Zandschower Klinken“

Anders aber als das Bilkaus Sentimentalität, Kieseritzkys und Kunsts Komödiantismus oder Fritschs lyrischer Minimalismus entwickelt Stahlmann einen sehr eigenen, sehr verschnörkelten, divergenten Schreibstil, der sich stark am Expressionismus eines Alfred Kubins aus Die andere Seite oder Gustav Meyrinks Der Golem anlehnt, wenn dieser beispielsweise seinen Protagonisten auf einem Streifzug durch Prag mit dem Studenten Charousek die alten verfallenen Häuser beschreiben lässt:

[ich] musterte die mißfarbigen Häuser, die da vor meinen Augen wie verdrossene alte Tiere im Regen nebeneinander hockten. Wie unheimlich und verkommen sie alle aussahen! Ohne Überlegung hingebaut standen sie da, wie Unkraut, das aus dem Boden dringt. An eine niedrige, gelbe Steinmauer, den einzigen standhaltenden Überrest eines früheren, langgestreckten Gebäudes, hat man sie angelehnt – vor zwei, drei Jahrhunderten, wie es eben kam, ohne Rücksicht auf die übrigen zu nehmen. Dort ein halbes, schiefwinkliges Haus mit zurückspringender Stirn; – ein andres daneben: vorstehend wie ein Eckzahn.

Gustav Meyrink aus: „Der Golem

Der Anthropomorphismus zieht die Umgebung in seinen Bann. So auch bei Stahlmann, die viele künstliche, mechanistische Vergleiche, die an Mary Shelley gemahnen, in ihren Beschreibungen verwendet. Sie schreibt von Gesichtern, die herunterklappen, aufgeschlitzten Fischbäuchen, die wie Briefkuverts wirkten, von Spinnenweben, die sich wie Segel eines Geisterschiffes blähen, von Molekülen, Verkorksungen, nachtblinden Datenstraßen und rostigen Antennen wie Hummerfühler. Bei Stahlmann verwischen die Grenzen. Alles diffundiert ineinander, das Anorganische wie das Organische, das Lebendige mit dem Toten, das Bewegende mit dem Starren, so auch die von ihr verwendete Sprache, die viele ungewohnte Bilder zeitigt, Wiederholungen, Ellipsen, sich brechende Allegorien, die zum genauen Lesen zwingen, ohne jedoch den Bannkreis des Expressionismus je zu verlassen:

Die Abendsonne im Haus bringt in der Dunkelheit unter den Kommoden, in den Ritzen der Holzdielen und unter Zenos Bett große Staubbälle zum Glühen; fragile flusige Gewölle funkeln kupferfarben auf im Fächer der schräg einfallenden Strahlen, weiche brennende Kometen, die durch ein Ausatmen zerstäuben.

Dies zusammengenommen konvergiert Stahlmanns Roman Diese ganzen belanglosen Wunder mit Stil und Thematik von Samuel Beckett. Die Vereinzelung wird trotz aller Gemeinschaft nicht durchbrochen, weder bei Warten auf Godot zwischen Wladimir, Estragon und Pozzo noch beim Endspiel. Beckett und Stahlmann einigt die Nonchalance, die empathische Distanz, das Genaue im greinenden Ausharren, das Weiter ohne Morgen, das Trotzdem ohne Grund und die Hoffnung ohne Gegenstand:

Oh je, oh je, ein Kind, das ist aber ärgerlich. Mein Kleiner, sagte er, als ob das Geschlecht wichtig wäre. Wo kam er her? Er nannte mir das Kaff. Gut einen halben Tag entfernt, zu Ross. Erzählen Sie bloß nicht, dass es da unten noch eine Bevölkerung gibt. Das fehlte noch! Nein, nein, niemand, außer ihm und das Kind, wenn es überhaupt existierte. Gut, gut. Ich erkundigte mich nach er Lage in Kov, jenseits der Bucht.

Samuel Beckett aus: „Endspiel“

Das sagt Hamm, und die Gestalten Nagg, Nell, Hamm und Clov erinnern sehr an Janusz, Golden, Maju und Pella. Die Welt geht unter. Sie erschöpft sich, innerhalb und außerhalb, im Werden und Vergehen eines darbenden ächzenden Ungleichgewichts, das alles umzieht, umgibt und wie ein Strom im Untergrund unterläuft. Was bleibt, ist die Sorge, die Sorge um die Wesen, die Dinge, die Einzelheiten, Kostbarkeiten, die vielen kleinen, viel zu schnell vergessenen Details, das kosmische, riesige kommunizierende Miteinander:

Bitte erzählt mir eure Geschichten, erzählt sie, damit meine Geschichte sich nicht mehr allein fühlt: Ich habe die Vermutung, dass eine Geschichte auf ganz ähnliche Weise entsteht wie ein Geist, etwas mit Zufall und Salz, ein bisschen Schweiß, ein bisschen Träne, und dem Schweben zwischen einem Boden und einem Himmel. Und erfindet dazu all das, was wirklich gewesen ist und was ich so schnell vergessen habe: Erfindet mir die mickrigen nebensächlichen Wahrheiten, die uns passiert sind in jedem Jahr. Diese ganzen belanglosen Wunder.

Und so beginnt Leona Stahlmanns gleichnamiger Roman auch mit einem Epilog, keinem Prolog. Er beginnt, wie er endet, und zwar so, dass das Ende wieder ein Anfang, der Anfang wieder ein Ende ist, auf dass das Lesen und Schreiben und Sprechen nicht aufhören muss, und das Endspiel nicht länger ein Endspiel bleibt.

Auf das Buch aufmerksam gemacht hat mich der Blog Klappentexterin. Dort gibt es auch ein Gespräch mit der Autorin.
tl; dr … eine kurze Rezension von mir gibt es hier.

3 Antworten auf „Leona Stahlmann: „Diese ganzen belanglosen Wunder““

  1. Danke für diese Rezension. Sie vermittelt ein intensives Bild von diesem Roman. Ich war sofort in dieser Geschichte ohne das Buch gelesen zu haben. Das werde ich nun nachholen.

    1. Es ist ein tolles Buch, ohne Frage. Mich wundert, wie wenig Interesse es auf sich zieht. Die Sprache fordert viel Aufmerksamkeit. Der Rhythmus muss erst gefunden werden, aber sobald er gefunden ist, liest es sich lyrisch, melodiös. Es handelt von den Dingen, die unbedingt, egal unter welchen Umständen bleiben. Ein außerordentliches Unterfangen. Ich werde es sicherlich noch ein zweites Mal lesen. Viele Grüße! Und ich hoffe, es gefällt dir auch!!

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