Michel Houellebecq: „Vernichten“

Gefangen zwischen Sentimentalität und Selbstverdruss … Spiegel Belletristik-Bestseller 03/2022

Typische Männerliteratur schwadroniert schnell zwischen Anklage und Selbstmitleid, zwischen der Sentimentalität der guten alten Zeit und Aggression gegen die neue, schnelllebige. Politik steht im Zentrum von ihnen allen. Max Billers „Der falsche Gruß“ verknüpft Geschichtsklitterung mit pubertärer Gefallsucht. „Es ist immer so schön mit dir“ von Heinz Strunk geht aufs Ganze und verliert sich durch Selbst- und Publikumsbeschimpfung ins Bodenlose. Oder die Persiflage „Es war einmal in Hollywood“ eines Quentin Tarantinos zelebriert ein nebulöses „Ach, wie schön war es“ einer gesetzlosen, unkontrollierten Film- und Schauspielerwelt der Gewalt- und Sexexzesse. Nahtlos reiht sich Michel Houellebecqs Roman „Vernichten“ ein.  

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Jonathan Franzen: „Crossroads“

Die Welt aus Schall und Rauch … Spiegel Belletristik-Bestseller 40/2021

Epen in Gesangsform sind längst aus der Mode gekommen. Die Zeit wird nicht mehr in Reimen besungen. Metrische Einschübe, Assonanzen, Apostrophen dienen nicht mehr, das eigene Zeitgefühl verlautbaren zu lassen. Kein neuer Homer mit einer weiteren „Odyssee„, noch ein Dante Aligheri mit einer neuen „Göttlichen Komödie„, oder ein nächster Hölderlin auf der Spur nach einer Fortsetzung des „Hyperion„s ist in Sicht. Das Epos der Neuzeit ist der Roman, die Epopöe des Gegenwärtigen. Georg Lukacs hat es bereits vor dem Ersten Weltkrieg in seiner Theorie des Romans angekündigt. Walter Benjamin in Erfahrung und Armut analysiert. Leo Tolstoj mit Krieg und Frieden, Boris Pasternak in Doktor Schiwago bewiesen. Nun eben auch Jonathan Franzen in seinem neuen Roman „Crossroads“, den Auftakt einer Trilogie.

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