Heike Geißler: „Die Woche“  

Ein Text der vollendeten Tristesse… Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022

Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse (4/5): Wladimir und Estragon reden, harren aus, ohne dass in Warten auf Godot viel passiert, noch passieren müsste. Das existenzielle Drama dreht sich um nichts, um ein eigenes Zentrum der Besinnlichkeit und Vergeblichkeit, das sich jedoch so nicht einstellen will. In Heike Geißlers Die Woche passiert auch nichts. In diesem Roman, der kein Roman sein will, in diesem Theaterstück, das kein Theaterstück ist, warten die Protagonistinnen, die Ich-Erzählerin, die keine Erzählerin ist, und ihre Freundin oder Lebensgefährtin Constanze, auf den Ablauf, Fortlauf, Weiterlauf der Zeit. Sie warten beide, aber scheinbar einmal mehr auf Godot.

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Christoph Hein: „Guldenberg“

Ein besorgter Bürger bemüht sich redlich … (Spiegel Belletristik-Bestseller 17/21)

Christoph Hein verarbeitet mit seinem Roman „Guldenberg“ gegenwärtige politische Diskurse über Abwrackprämien, Altersarmut, über Migranten, Fremdenfeindlichkeit, über Karrierewahn in den öffentlichen Institutionen und die seiner Meinung nach zu bedauernde Beschleunigung in allen Bereichen der Gesellschaft. Sein Städtchen Guldenberg dient als Kondensationspunkt vieler Probleme, die einzelne beklagen und derer sie sich ausgeliefert fühlen. Niemand hört auf irgendwen. Der Unternehmer betrügt und wird betrogen. Der Politiker wirbt und wird umworben. Der ‚kleine Mann‘ schimpft und wird beschimpft. Die Migranten beleidigen und werden beleidigt. Das ganze Städtchen ist ein einziges, heilloses Durcheinander von Opfern und Tätern, von Missverstandenen für sich selbst und denen, die andere in die Pfanne hauen, ohne mit der Wimper zu zucken. Niemand gönnt irgendwen irgendetwas, und niemand traut irgendwem eigentlich über den Weg. Mit anderen Worten, Hein beschreibt trocken und teilnahmslos ein soziales System kurz vor dem Kollaps:

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