Sebastian Haffner: „Abschied“

Abschied von Sebastian Haffner. Spiegel Belletristik-Bestseller 05/2025.

Von Sebastian Haffner stammen die berühmten Anmerkungen zu Hitler (1978), in denen auf sehr öffentlichkeitswirksame Art und Weise Hitler in radikaler Konsequenz als in jeder Hinsicht nihilistischer Vollstrecker charakterisiert wird. Der Historiker und Journalist Haffner mit bürgerlichen Namen Raimund Pretzel trat Zeit seines Lebens (1907 bis 1999) nicht als Romancier in Erscheinung. Ein Vierteljahrhundert nach seinem Tod erscheint nun sein erster Roman Abschied aus dem Nachlass. Nicht in letzter Hand, aber auch nicht als Fragment liegt dieser weniger als zweihundert Seiten umfassende, von einem Ich-Erzähler handelnde Text vor, der als Stoff die Liebe und als Plot Eifersucht erforscht:

»Ja«, sagte ich, »das ist eine tiefe Beobachtung. Übrigens war ich, glaube ich, der uneleganteste Mann auf dem Ball, mit meinem Abitursmoking. Teddy kriegte ich nachher überhaupt nicht mehr zu sehen. Sie tanzte mit weiß ich wem, mit dem ganzen Attachégesindel und mit dem Bayern — bö. Große bayerische Kuh.«
Franz Frischauer lachte.
»Ist das so zum Lachen?«, sagte ich. »Kennen Sie das nicht? Sind Sie nie eifersüchtig? Es ist ein ekelhaftes Gefühl.«
»Schon, schon«, sagte Franz. »Aber man muss doch wissen, auf wen man eifersüchtig ist, wos lohnt. Man ists doch nicht auf all und jeden.«
»Gerade«, sagte ich. Ich war damals noch ziemlich jung.

Sebastian Haffner aus: „Abschied“

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