Der stille Freund von Ferdinand von Schirach setzt sein Erfolgskonzept aus Kaffee und Zigaretten und Nachmittage fort, in Miniaturen und Aperçus die Gegenwart zu bereisen und literarisch zu beforschen, und zwar aus einem etwas unbeteiligten, distanzierten Blick heraus. Schirach schreibt klar in der Traditionslinie eines Hermann Graf Keyserling, der mit seinem Das Reisetagebuch eines Philosophen in den 1920ern Jahren einen großen Erfolg erzielte und nahezu das deutsche Paradigma des weltoffenen, geist-aristokratischen Feuilletonisten darstellt, und in Botho Strauß, Martin Mosebach und Martin Suter ähnlich gelagerte Nachfolger gefunden hat. Ferdinand von Schirach gehört zu diesen. Seine Anekdoten spielen durchweg im wohlhabenden, wohlsituierten Milieu:
„Ferdinand von Schirach: „Der stille Freund““ weiterlesenVor acht Jahren wollte Massimo von seiner Farm in Namibia mit der Propellermaschine in die Hauptstadt fliegen. Es war eine alte Cessna 172. Wir sind oft mit dieser Maschine geflogen, das sind gutmütige kleine Flugzeuge, solide und robust, sie brauchen nur kurze Landebahnen, und mit ein bisschen Pflege tun sie Jahrzehnte ihren Dienst. Massimo flog damit alle zwei Wochen nach Windhuk, um Einkäufe zu erledigen und Freunde zu besuchen. Das war angenehmer, als sechs Stunden in dem furchtbar unbequemen Toyota zu sitzen.
Als das Flugzeug abhob, stieg ein Schwarm Webervögel auf. Dagegen ist auch der beste Pilot machtlos.
Ferdinand von Schirach aus: „Ein stiller Freund“
