2024 erhielt die südkoreanische Autorin Han Kang den Nobelpreis für Literatur. Für Die Vegetarierin erhielt sie zudem noch den Man Booker International Prize 2016. Wie Elfriede Jelinek in Die Kinder der Toten, Terézia Mora in Das Ungeheuer, Olgar Tokarczuk in Empusion, verhandelt Kang das brenzlige Verhältnis zwischen der Frau und das sie umliegenden soziale Feld in all seiner Differenziertheit und Gewaltpotentialität. Anders aber als Tokarczuk oder Jelinek, eher ähnlich zu Murata, greift Han Kang auf eine äußerst verdichtete, reduzierte Form zurück. Ihre Sprache strebt Stille, ein Schweigen an, das zwischen den Zeilen unheimliche Dimensionalität entfaltet:
„Han Kang: „Die Vegetarierin““ weiterlesenFünf Minuten, länger kann ich nicht schlafen. Dann ist er wieder da, der Traum. Wenn man ihn denn so nennen kann. In meinem Kopf ist ein Kaleidoskop von wirren Szenen. Die glühenden Augen einer Bestie, Blut, ein offener Schädel, wieder die Augen eines Raubtieres. Der Ausgangspunkt für das alles scheint mein Bauch zu sein. Wenn ich zitternd aufwache, überprüfe ich schnell, ob meine Nägel noch kurz und meine Zähne keine Fangzähne sind.
Han Kang: „Die Vegetarierin“
