Elfriede Jelinek: „Die Kinder der Toten“ (i: Inhalt)

Elfriede Jelinek: "Die Kinder der Toten"
Im toten Winkel der Geschichte … Nobelpreis für Literatur 2004.

Alle Bücher bestehen aus einem Buchdeckel und bedruckten Seiten. Sie genügen alle der Linearität der Sprache und bauen Wort für Wort eine Kommunikationswelt auf. Die Zeitlichkeit stellt sich von alleine ein. Das so eben gelesene Wort verknüpft sich mit anderen, weit zurückliegenden Worten, taucht unversehens auf und erzeugt immer wieder einen ungeahnten Sinn an Ort und Stelle. Stets holt sich das Lesen selbst ein, im steten Werden und Vergehen, Vergessen und Erinnern, und in der Art und Weise, wie dieses geschieht, unterscheiden sich die Bücher voneinander, nämlich darin, wie sie Kommunikation anstreben. Elfriede Jelineks Roman Die Kinder der Toten gibt sich widerborstig. Die Kommunikation biegt sich auf sich selbst zurück. Bevor ich also die Lektüre ihres opus magnum Revue passieren lassen kann, hier ein Klärungsversuch darüber, was auf den 667 Seiten eigentlich beschrieben wird. Von einer Orientierung spendenden Erzählinstanz kann nämlich kaum die Rede sein:

Also nein, das Feuer denkt nicht einen Augenblick lang nach! Seine spielerisch an allem und jedem zupfende Flut leckt jetzt aus der geöffneten Tür, was einst Fleisch war, verschwindet, und Buchstaben kriechen auf mich zu. Das Haus aus Sprache ist mir leider zusammengekracht. Die Sprache ist ja auch gleichzeitig schwungvoll und produktiv wie verhüllend, ähnlich dem Feuer, das diesen Schädel ausgespien hat, den Frau Frenzel da herumträgt […]

Elfriede Jelinek aus: „Die Kinder der Toten“
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