Slata Roschal: „Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt“

Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt von Slata Roschal
Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt von Slata Roschal

Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt heißt das neue Buch von Slata Roschal. Im Anschluss an zwei Prosatexte, die nur mit Mühe Roman genannt werden können, namentlich 153 Formen des Nichtseins und Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten, legt sie nun eine lyrische Arbeit vor, die formal gesehen der Thematik ihres Gegenstandes viel eher entspricht. Roschal zeigt sich als dadaistische Poetin, die die fragmentierten Sinngehalte ihres Lebensraumes mit Wortakrobatik zu bannen sucht und zeigt, wie Autofiktion viel eher als lyrische Grundstimmung, denn als prosaische Selbstbetrachtung umgesetzt werden kann.

Ich brauche einen Waffenschein ein neues
Bitteres Parfüm ein Haus in dem mich keiner kennt
Wen kann ich tragen mit wem soll ich mich verbinden
Mach deinen Liebsten eine Freude sagt der Gärtner
Begrab dich selbst und leg dir deutsche gelbe
Stiefmütterchen zur Hand oder rote Plastiknelken
Dieser Tag macht keinen Sinn er sollte
Als Ordnungswidrigkeit behandelt und verboten werden
Slata Roschal aus: „Ich brauche einen Waffenschein ein neues bitteres Parfüm …“

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Slata Roschal: „Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten“

Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten
Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten von Slata Roschal.

Formal experimentelle, oder wagemutige Bücher treten nicht so oft in das Licht der breiteren Öffentlichkeit. Sie gelten schnell als intellektualistische Spielerei, oder abstraktes Geplänkel mit wenig Sogwirkung und fast gar keinem Plot. In letzter Zeit schafften es dennoch ein paar Texte, bspw. Barbi Marković mit dem comicartigen, extrem restriktiven Minihorror, Iris Wolff mit dem radikal-rückwärts erzählten Lichtungen oder Teresa Präauers slapstick-filmisches-achronisches Kochen im falschen Jahrhundert. Nach 153 Formen des Nichtseins legt nun Slata Roschal mit Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten ihren nächsten Roman vor:

Durch die Pille und durch Lauras Geburt bin ich dick geworden. Nicht allzu sehr, aber ich spüre es ständig, versuche, meinen Körper nicht zufällig mit den Händen zu berühren, noch nie habe ich beide Arme gebraucht, um mich selbst zu umschlingen, nur, wenn es dringend sein muss, beim Anziehen, beim Schminken, in der Toilette. Ich habe auch keine Lust, mit dir zu schlafen, ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten.
Slata Roschal aus: „Ich möchte Wein trinken und auf das Ende der Welt warten“

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Slata Roschal: „153 Formen des Nichtseins“ [Das Debüt 2022]

153 Formen des Nichtseins
Im Kampf gegen Fremdbestimmung … Shortlist des Bloggerpreises „Das Debüt 2022

Es gibt Romane, die laut anklagen, krakeelen wie Hengameh Yaghoobifarahs Ministerium der Träume; oder jene, die larmoyant ihre soziale Existenz bedauern, indes sie von einem Leben in Saus und Braus träumen wie Kim de l’Horizon in Blutbuch. Es gibt auch solche, die mit Humor zur Sache gehen wie Tomer Gardi in Eine runde Sache oder verwundet und etwas gebrochen, aber perennierend und auf Kultur und Kunst hoffend wie Emine Sevgi Özdamar in Ein von Schatten begrenzter Raum. Bei aller Unterschiedenheit eint diese Schreibweisen, die mit den höchstdotiertesten deutschen Literaturpreisen versehen wurden, bspw. u.a. mit dem Büchner- oder den Deutscher oder Schweizer Literaturpreis, ein Ankämpfen gegen normierte, von außen aufgedrückte fremde Sprach- und Sprechweisen. Stiller, bescheidener, aber mit selbiger Stoßrichtung kommt Slata Roschals 153 Formen des Nichtseins daher:

Ich wollte mich als einen Teil der ansässigen Bevölkerung präsentieren, als einen Einheimischen, als einen Vertreter der ärmlichen, aber gebildeten, intellektuellen und aufsteigenden Mittelschicht. Mein Deutschsein war aber zu reflektiert, zu absichtlich, sobald ich das Pragmatische, die konkreten Ziele des Sprechens außer Acht ließ, wurde meine Sprache zu einer seltsamen Mischung, zu einer breit angelegten Performance, eigenartig und irritierend.

Slata Roschal aus: „153 Formen des Nichtseins“
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