
Louis-Ferdinand Céline, eigentlich Destouches, verfasste mit Reise ans Ende der Nacht in den 1930er Jahren eine, von seiner Erzählstimme her, völlig neue Form des Romans. In der Tradition der Bänkelsänger, insbesondere eines François Villon bspw. aus Die sehr respektlosen Lieder, gibt Céline der Not, der Armut, dem Elend des Krieges und der Straße eine literarische Stimme. Als Kollaborateur des Vichy-Regime und bekennender Antisemit floh er Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland und ließ in seiner Wohnung viele, fast publikationsfertige, Manuskripte zurück, die nach seiner Rückkehr aus dem Exil und der Haft als verschollen galten. 2019 tauchten die Manuskripte teilweise wieder auf. Krieg, 2022 in Frankreich, 2023 in Deutschland, von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzt, ist eines von ihnen. Es handelt, wie schon Reise ans Ende der Nacht, von den Erlebnissen im Ersten Weltkrieg:
Tote da wie dort. Der Kerl mit dem Brotbeuteln war selbst wie eine Granate aufgeplatzt, muss man schon so sagen, vom Hals runter bis mitten in der Hose. Zwei Ratten waren da schon gemütlich in seinem Bauch und knabberten an seinem Brotbeuteln mit trockenen Rinden. Es roch nach verdorbenem Fleisch und verbrannt in dem Pferch, aber vor allem wegen dem Haufen in der Mitte, sicher zehn Pferde, aufgeschlitzt ineinander verkeilt. So hatte der Galopp geendet, auf einen Schlag durch eine Bombe, oder drei davon, zwei Meter entfernt.
Louis-Ferdinand Céline aus: „Krieg“
Inhalt/Plot:
Krieg schließt eine narrative Lücke aus Reise ans Ende der Nacht. Dort kehrt der Protagonist, ziemlich unvermittelt, noch während des Krieges zurück nach Paris, verletzt und mit einer Tapferkeitsmedaille geehrt. Unmittelbar vor der Rückkehr stehen folgende Zeilen in Célines Debütroman:
Und wir kehrten beide in den Krieg zurück. Und dann geschahen Dinge und wieder Dinge, die jetzt nicht leicht zu erzählen sind, weil, wer heute lebt, sie schon nicht mehr verstehen könnte.
Louis-Ferdinand Céline aus: „Reise ans Ende der Nacht“
Und kurz danach, auf der nächsten Seite, im nächsten Kapitel, fasst der Ich-Erzähler die Situation nochmals zusammen:
Eigentlich ist nur die Tapferkeit seltsam. Man soll tapfer sein mit seinem Körper? Da kann man genauso gut von den Maden Tapferkeit verlangen, die sind rosig, blass und weich, genau wie wir.
Ich für mein Teil hatte keinen Grund mehr zur Klage. Ich stand sogar richtig gut da mit der Tapferkeitsmedaille, die man mir verliehen hatte, wegen der Verwundung und so. Während der Rekonvaleszenz hatte man die mir gebracht, richtig ins Krankenhaus.
Louis-Ferdinand Céline aus: „Reise ans Ende der Nacht“
Das Manuskript Krieg handelt exakt von der angesprochenen Rekonvaleszenz und wie der Ich-Erzähler Ferdinand, mit einer Tapferkeitsmedaille geehrt wird. Der Text teilt sich mehr oder weniger grob in zwei Teile. Er beginnt mit der Verletzung. Ferdinands Regiment wurde angegriffen. Bis auf ihn verloren alle ihr Leben. Er rettet sich, verstört, mit verletztem Arm und Kopf, taumelt, strauchelt er durch das kriegsversehrte Land, verirrt sich und läuft in die Arme eines Engländers, der ihn in ein Lazarett bringt, das aber wieder angegriffen wird. Eine Eisenbahn bringt ihn in Sicherheit, während der Fahrt halluziniert er vor Schmerz, vor Angst, völlig von den Ereignissen traumatisiert:
Kersuzon, stimmt schon, hatte überhaupt keine Arme mehr, aber große Ohren, gut zum Zuhören. Der Junge, Le Cam, bei dem sah man durch den Kopf das Licht, durch beide Augen hindurch, wie bei einer Brille. Wirklich lustig. Keramplech, der hatte sich einen Bart wachsen lassen, er hatte langes Haar wie eine Dame, den Helm hatte er noch auf und reinigte sich die Nägel mit einer Bajonettspitze. Auch, um mir zuzuhören. Seine Gedärme glitschten ihm aus der Unteretage raus weit ins Land hinein.
Im Krankenhaus Parfaite-Miséricorde in Noirceur-sur-la-Lys angekommen, am 22. Januar 1915, beginnt die Rekonvaleszenz. Zuerst muss er fürchten, dass der amtierende Facharzt Méconcille an seinem Kopf experimentelle Operationen vollzieht. Der Arm wird gerettet. Vor der Operation an seinem Ohr rettet ihn eine aufdringliche Krankenschwester, die gerne an den Invaliden und Kriegsversehrten heimlich des Nachts die Hand anlegt und vom Ich-Erzähler auch dabei erwischt wird, wie sie an Leichen herumknabbert. Ihr Name lautet Aline L’Espinasse:
Als Dr. Méconille mich am nächsten Morgen gesehen hatte, begeisterte er sich sofort für meinen Fall. Er wollte mich spornstreichs operieren, gleich am selben Abend, sagte er. Die L’Espinasse hat sich dagegen ausgesprochen von wegen meiner Erschöpfung. Ich glaube, damit hat sie mir das Leben gerettet. Er, wenn ich es recht verstanden hatte, er wollte mir umgehend die Kugel hinterm Ohr rausschneiden. Aber ihr ging das zu weit. Ich brauchte den Méconille nur anzusehen, gleich war ich sicher, wenn der sich meinen Kopf vornahm, war ich geliefert.
Mehr oder weniger trotz Ohrensausens und wiederkehrender Übelkeit gerettet, wird er in den Saint-Gonzef-Saal verlegt, wo er den Möchtegern-Zuhälter Bébert kennenlernt und womit der zweite Teil des Manuskripts beginnt. Die beiden befreunden sich und langweilen sich bald, also bezirzen sie die L’Espinasse um einen Ausgangsschein, um im nahegelegenen Peurdu-sur-la-Lys um die Häuser ziehen zu können. Es gelingt. Bébert wirft ein Auge auf das Barmädchen Destinée Amandine Vandercotte und beschließt seine Ehefrau Angèle nachkommen zu lassen, um mit der Hilfe der beiden Frauen den vielen liebeshungrigen englischen Soldaten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Angèle und Destinée merken aber, dass sie ihn dafür gar nicht brauchen, und es kommt zum Streit, derweil erhält Ferdinand überraschend die Tapferkeitsmedaille:
Na prima, dachte ich, der Wind steht günstig, Ferdinand, mach dein Schifflein bereit, lass die Arschlöcher in der Scheiße sitzen, lass dich treiben, glaub an nichts mehr. […] Geh voran, mehr verlangt man nicht von dir, du hast die Medaille, du bist schön. In der Schlacht der Arschgesichter bist du endlich auf der Gewinnerseite, du hast deine Privatfanfare im Kopf, hast nur zur Hälfte Wundbrand, bist am Faulen, schon klar, aber du hast das Schlachtfeld gesehen, und nicht das Aas, sondern du wirst ausgezeichnet, vergiss das nicht, sonst bist du undankbar, erbärmliche Kotze, Arschprodukt, das Papier nicht mehr wert, um dich abzuwischen.
In Peurdu-sur-la-Lys geht alles fortan drunter und drüber, und am Ende rettet sich Ferdinand auf die andere Seite des Kanals, nach London.
Stil/Sprache/Form:
Bereits Émile Zola fasste das Elend auf den Pariser Straßen in deutliche Worte, wie bspw. in Der Totschläger. Nicht das Sujet, nicht die Haltung zeichnet Céline aus, sondern die Sprache des Argot, die Umgangssprache, das Ruppige, Abgehackte, das die Liasion vermeidet, und gegen die Erwartungshaltung des Publikums, das ein geschliffenes, flüssiges Salon-Französisch verlangt, verstößt. Céline gilt aus diesem Grund als Neuerer, so dass trotz der Querelen um seine Person und seine menschenfeindlichen Meinungen, Sartre noch 1965 schreibt:
Unsere Schriftsteller verfügen heute über eine fertige Sprache, in der sie eine gewisse Meisterschaft besitzen: eine reiche, von Reichen bearbeitete Sprache. Man kann sie sprengen, wie es Joyce, Céline oder Solschenizyn getan haben, aber es geht darum, entweder die gegebene Sprache gründlich auszubeuten, wie es Joyce tat, oder ihr bestimmte »Dosen« gesprochener Sprache einzuverleiben, wie es Céline oder Solschenizyn getan haben.
Jean-Paul Sartre aus: „Avantgade? Wovon und von wem?“ (6. Oktober 1965)
Céline muckt gegen die kulturelle Elite auf, indem er gegen den guten Geschmack verstößt, Fäkalsprache der Gosse verwendet und weitestgehend tabuierte Themen als normal verhandelt (Nekrophagie, Prostitution, Mord). Die Menschen, die er zeichnet, auch in Krieg, entsprechen alles andere als einem Ideal und besitzen monströse Züge. Der beste Freund des Ich-Erzählers entpuppt sich wie auch in Reise ans Ende der Nacht als Mörder, Lügner, Zuhälter und Verbrecher:
»Dazu brauche ich deine Erlaubnis nicht, von wegen. Ich [Angèle] sage laut und deutlich, wer am Morgen des vierten August im Parc des Princes die Nachtwache kaltgemacht hat … Es gibt Zeugen … Léon Crossepoil … die kleine Cassebite, die könnten das bestätigen … […] ich meine … dass du [Bébert] dir selbst in den Fuß geschossen hast, damit du von der Front wegkommst und mir den Nerv töten kannst …«
Die Sprache geht in Krieg noch weiter als in seinem Debüt und bereitet die Stenographie-Form vor, mit Auslasszeichen, und vielen Appositionen, hier genauer: Epiphrasen („Der Rote [Wein] stieg ihm zu Kopfe, dem Bébert.“) als wiederkehrendes Stilmittel. Zudem beschleunigt er den Lektüreakt, indem er überflüssige, sich selbst erklärende Pronomina vermeidet und eine Art surrealistisch-untermauerten Traum-Sprach-Wut-Wust erzeugt. All dies weist voraus auf das Spätwerk und besitzt Ähnlichkeiten, von der Obszönität abgesehen, mit Claude Simons Die Route in Flandern besitzt, wiewohl dieser verwendet statt Auslassungspunkte fast gar keine Zeichensetzung mehr verwendet und parataktische Beiordnung bevorzugt, um eine Form von Gemälde, Stillleben in Worten zu erzeugen:
Etwas wie ein Berg oder ein Pferd stürzte auf mich warf mich zu Boden trampelte auf mir herum während ich die Zügel aus meinen Händen gleiten fühlte dann war alles finster während Millionen von galoppierenden Pferden weiter über meinen Körper stampften dann spürte ich nicht einmal mehr die Pferde nur noch so etwas wie den Geruch von Äther und die Finsternis und ein Dröhnen in den Ohren und als ich die Augen wieder öffnete lag ich auf dem Weg und kein Pferd mehr […] Ich hütete mich wohlweislich mich zu rühren und wartete auf den Moment da ich anfangen würde zu leiden denn ich hatte sagen hören dass die schweren Verwundungen zunächst eine Art Betäubung verursachen, aber als ich immer noch nichts spürte und nach einer Weile versuchte mich zu bewegen ohne dass etwas geschah, und es mir gelang mich auf alle Viere zu erheben
Claude Simon aus: „Die Route in Flandern“
Die stilistische Weiterentwicklung Célines in Bezug auf sein Debüt liegt bei Krieg auf der Hand. Es ist härter, pointierter geschrieben, formt, knetet die Sprache, walkt sie durch, um maximale Verdichtung der Szenen und Aussagen zu erreichen. Dennoch bleibt Krieg offensichtlich ein Fragment. Erstens ändert sich der Stil vom ersten zum zweiten Teil wieder. Der zweite Teil wirkt näher am Debüt, narrativ und gewollter, weniger auf die von Céline später bevorzugte impressionistische (fast pointillistische) Technik angelegt, und zweitens wechseln die Namen der Orte und Figuren, bspw. von Bébert zu Cascade, von Noirceur zu Peurdu, und drittens wirkt das Ende überhastet, abrupt, wenig überzeugend.
Kommunikativ-literarisches Resümee:
Der Fragmentcharakter von Krieg zerstört den kommunikativen Akt. Der Text durfte sich nicht runden. Er besitzt keinen Abschluss. Texte, denen die Veröffentlichung letzter Hand verwehrt bleiben, lassen sich als Fundgrube betrachten, wie Fragmente von Franz Kafka, bspw. Der Proceß, oder Friedrich Nietzsches Wille zur Macht. Ein erzählendes Ich, ein lyrisches oder denkendes Ich, das sich manifestiert, existiert in ihnen schlicht nicht. Die Texte hängen in der Luft und öffnen so auf diese Weise den Assoziationsräumen des willigen Korrepetitoriums Tür und Tor. Krieg erscheint so als Dokument eines stilistischen Durchgangsstadium des Autoren Louis-Ferdinand Céline, weniger als literarisches Werk.
Seltsam ist es und sehr berührend, das Schiff zu sehen, und wieder die Sirene, das gute, das schöne, das dicke Schiff. Es wackelte, der ganze Rumpf, erzitterte vielmehr. Die Oberfläche des Hafenbeckens erzitterte gleich mit. Wir glitten an den schwarzen Docks, an den Molen entlang. Dann kamen die Wellen. Hopp! Stiegen wir auf. Hopp! … stärker! … gings wieder runter. Es regnete. Siebzig Francs hatte ich für die Reise, das weiß ich noch. Agathe hatte sie mir vor ihrer Abfahrt in die Tasche genäht. Die gute Agathe dann doch. Wir sollten uns wiedersehen.
Agathe soll Angèle sein, da der Ich-Erzähler laut eigenen Angaben Amandine nicht wiedergesehen habe. Solche Brüche zerstören aber den immersiven narrativen Akt. Die einzelnen Bilder, Szenen, bleiben memorabel, aber vereinzelt, fügen sich kaum, insbesondere zum Ende hin, zusammen, sodass bspw. der Streit zwischen Angèle und Bébert oder die Sexszene zwischen Angèle und dem rothaarigen Schotten aufgesetzt und fehl am Platze, wie Provokation und Parodie zugleich wirken. Die verbindenden Momente zu Célines Debüt und Hauptwerk Reise ans Ende der Nacht bleiben die unumwundene Kriegsfeindlichkeit und der Nichtglaube an die Menschen und die Macht der Liebe. So gleicht Krieg den Balladen eines François Villon:
Er ist ein Märtyrer, der leidet.
Er schwört’s bei seiner Männlichkeit,
bis er aus diesem Leben scheidet.Und er spricht wahr. Von seinen Lieben
ward schon von je François Villon
mit Schimpf und Schmach davongetrieben,
so daß von hier bis Roussillon
kein Bäumchen, keine Hecke steht,
die ihn mit scharfem Dorn nicht schneidet,
kein Wind geht, der ihn nicht verweht,
bis er aus diesem Leben scheidet.
François Villon aus: „Ballade, um als Schluß zu dienen“
Als Dokument eines ungebrochenen Lebenswillens, als Ausruf, Weckruf gegen Gewalt und Krieg dient Louis-Ferdinand Célines Krieg wie auch sein Reise ans Ende der Nacht. Literarisch wirkt Krieg unfertig und unausgereift, wie vielleicht die ganze, mit sich in Zwietracht stehende, kämpfende Einzelperson Célines selbst. In seinem Erstling, einem Theaterstück, bezeichnet er diese wie folgt:
«Das ist ein Bursche ohne kollektive Bedeutung, das ist ganz einfach nur ein Individuum»
Louis-Ferdinand Céline aus: „L’Église“
Mit diesem Zitat beginnt dann auch Jean-Paul Sartres Debütroman Der Ekel (1938), womit sich der ganze Kreis zwischen Verachtung und Selbstverachtung, zwischen Verwirrung und gleichzeitiger Selbstverwirklichungsbemühung letztlich schließt.
tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung gibt es hier.
Nächste Woche am 26.11.2024 auf Kommunikatives Lesen:
wahrscheinlich von Caroline Peters Ein anderes Leben.
Andere aktuelle Kurzrezensionen befinden sich hier.


Das ist bisher die beste Besprechung, die ich zu dem Buch gelesen habe. Danke! Ich freue mich immer, wenn mir stilistische Eigenarten erklärt werden.
Dein Leseerlebnis deckt sich mit meinem.
Zitat deiner Besprechung: “ indem er überflüssige, sich selbst erklärende Pronomina vermeidet und eine Art surrealistisch-untermauerten Traum-Sprach-Wut-Wust erzeugt.“
Die erste Hälfte des Buches liest sich dahingehend beeindruckend. Ich denke, in Bezug auf deine Feststellung, ist das mein Lieblingszitat aus „Krieg“:
„Eine Art Garten mit Rasen und ganz hinten die Wand, mindestens noch hundert Meter, eine Mauer aus Feldsteinen, nicht besonders hoch. Wo sie wohl angebunden werden? Kann man sich kaum vorstellen. Obwohl, so ungefähr. Ich hätte gern Einschüsse gesehen. Es ist ganz still. Nebendran herrscht Frühling, mit Vögeln. Sie pfeifen wie Kugeln, diese Vögel. Wahrscheinlich wird jedes Mal ein neuer Pfosten eingerammt. Jetzt muss ich aber zum Bahnhof. Ich gehe los. Und gar nicht weit, da begegnete ich Cascade. Er war wohl schön langsam zum Bahnhof gegangen. Wir sagten nichts zueinander. Sein Gesicht war ganz verwüstet. Jeder ist so tapfer, wie er kann. Ich gab ihm den Geldschein.“
Schön, dass die Besprechung dir zusagt – ich habe mich etwas schwer getan, wann ich die Fragmentkeule hervorziehe, habe mich für so spät wie möglich entschieden. Dein Zitat finde ich außerordentlich treffend – besonders das Schwebende, diese Vögel, die wie Kugeln pfeifen, aus dem Nirgendwo, genau wie der Geldschein dann auftaucht. Das passt sehr. Die erste Hälfte empfand ich als stilistischen Fortschritt zu „Reise“. Ich bin gespannt auf das Spätwerk.
Hätte mich auch so spät wie möglich für die Fragmentkeule entschieden.
Finde das an den meisten Besprechungen auch sehr schade, diesen Aspekt so erdrückend in den Vordergrund zu stellen.
Natürlich zerfranst der Text in der zweiten Hälfte.
Entscheidender ist aber das, was du sehr gut herausgearbeitet hast. Céline hat einen Stil entwickelt, der sich gewaschen hat.
Mir wird schlecht, wenn ich Kafkas Gestümper dagegen lese.
Wäre auch mal ein Angebot an gewisse Gegenwartsautoren, die meinen in ihrer Sprachlosigkeit die Waffen strecken zu müssen und sich nur noch damit beschäftigen wie sprachlos sie sind.
So desillusioniert und Resignativ der Typ und seine Themen waren. Niemals seine Sprache!
Ja, in der Sprache schreibt er sich als Individuum frei, egal wie sehr er sich dann im Diskurs und in der Politik verstrickt, das Schreiben hebt ihn darüber hinweg. Insofern ist Celine ein sehr interessantes Anschauungsobjekt 🙂 Den Bezug zur Gegenwartsliteratur unterschreibe ich. Es ist möglich mit Verve die Ausdruckslosigkeit zu besiegeln!
Ich liebe surrealistische Sprache! Ich liebe Argot (in allen Varianten, Extremform: Haiti)! Ich mag aber auch die klassische, „schöne“ Diktion, die ich kürzlich (zu meinem Ertstaunen – ander finden das wohl normal – auch bei H.G. Wells fand). Habe Célines „Reise…“ sehrlangsam und tief beeindruckt gelesen, genoss des Abgehackte aber auch das Schwebende.
WWI war ja wirklich das Ende einer Epoche (frag ma die Zehntausende, die in den Schützengraeben blieben und ihre Angehörigen – wir lesen ja nur davon)
Mir hat die „Reise“ auch gut gefallen – und habe eine Kurzrezension zu ihr verfasst. Habe einfach nicht die Zeit und Energie alle gelesenen Texte zu besprechen 🙁 … hast du noch Tips zum Spätwerk? „Tod auf Kredit“ oder hast du einen ähnlichen Argot-Schriftsteller auf Lager? Genet? Danke!!
Argot….hm…muss überlegen…vllt Jean Rhys –> Sargasso Sea? Melde mich, wenn mir wer einfaellt!
https://en.wikipedia.org/wiki/Haitian_literature (?)