
Anton und Alma verhandelt im kritisch-realistischen Stil eine jüdisch-deutsche Identitätskrise innerhalb eines Beziehungsdramas und gleicht hiermit von Anfang in Stoff und Plot Dana von Suffrins Toxibaby, von derselbigen Autorin Nochmal von vorne, und eher humoristischen Varianten wie die von Tomer Gardi in Eine runde Sache. Literaturhistorisch erhält der Roman noch durch die Figur Antons deutlichen Bezug zu Philip Roths Portnoys Beschwerden (1969), des an seiner Identität leidenden, sexuell-hyperaktiven jungen Mannes. Angesiedelt im Berlin-Kreuzberg der Gegenwart wird vom Jahr 2019 an die Beziehung zwischen Anton und Alma erzählt, mit Fokus auf Anton als Objekt der Begierde, das sich immer wieder entzieht und doch immer wieder im Dunstkreis von Almas Leben auftaucht:
„Dana Vowinckel: „Anton und Alma““ weiterlesenAlma hoffte, er würde vielleicht näher kommen, aber er blieb am Schrank neben der Zimmertür stehen, angelehnt mit seinem ganzen Gewicht, als müsste der Schrank ihn festhalten, und spielte mit seiner Halskette. Es gab keine Indizien für eine Freundin hier drin. Sie wollte, dass Anton nervös war, wie man vor einem ersten Kuss nervös war. Sie wollte das Zimmer nicht verlassen, sie wollte wissen, wie seine Bettwäsche roch, und sie wollte wissen, wie es sich anfühlen würde, mit jemandem zu schlafen, den man attraktiv fand, obwohl man ihn nicht seit der Grundschule kannte, doch dann fiel ihr ein, dass sie sich seit der Oberschule kannten. Es war Alma anscheinend unmöglich, Menschen begehrenswert zu finden, die sie nach der Volljährigkeit kennengelernt hatte, es mussten immer Männer sein, die sie kindlich, jugendlich angehimmelt hatte.
Dana Vowinckel aus: „Anton und Alma“








