Ingeborg Bachmann: Malina

Ingeborg Bachmann: "Malina"
Von dem Sag- und Unsagbaren …

Es gibt wenige Texte, die sich so gegen das plakative Lesen sträuben wie Ingeborg Bachmanns einzig vollendeter Roman Malina. Er ist so vielschichtig und polyphon, so dicht und komplex, dass beinahe jeder Absatz für sich allein steht und das Lesen seinen eigenen Fokus, seine eigene Perspektive konstruieren muss. Bachmanns Text versprachlicht Heraklits Fluss, in den sich nach seiner Formel panta rhei niemals ein zweites Mal steigen lässt, indem es einfach kein zweites Lesen gibt. Malina liest sich stets von neuem. Mit dem ersten Satz beginnt eine neue Reise. Er lautet:

Nur die Zeitangabe mußte ich mir lange überlegen, denn es ist mir fast unmöglich, ›heute‹ zu sagen, obwohl man jeden Tag ›heute‹ sagt, ja, sagen muß […]

Ingeborg Bachmann aus: „Malina“
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Johanna Adorján: „Ciao“

Überholen, ohne einzuholen…
Spiegel Belletristik-Bestseller (29/2021)

Der Roman „Ciao“ von Johanna Adorján antwortet auf die aktuelle Diskussion um das Stichwort „cancel culture“ herum. Es kann mit Sicherheit als Antwort auf „Die Kandidatin“ von Constantin Schreiber und „Über Menschen“ von Juli Zeh gelesen werden. In diesem Sinne würde es als eine liberale Antwort eine Form von Mitte suchen, Gegensätze vermitteln, beide Seiten zur Sprache kommen lassen, ohne die eine gegen die andere Seite auszuspielen. „Ciao“ kann in dieser Hinsicht glücklicherweise als gescheitert gelten, denn es enthebt sich aller diskursiven, argumentativen Mühen, pocht darauf, Fiktion zu sein, und nimmt eine Außenposition an, nämlich die, reine Unterhaltung zu bleiben und sein zu wollen, einen Slapstick aufzuführen, bei dem niemand sich schlecht fühlen muss, und sich sogar eine Art Happy End erlaubt.

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