
Nach der inhaltlichen, also makroskopischen Analyse von Uwe Tellkamps neuem Roman Der Schlaf in den Uhren nun ein mikroskopisches Nachforschen auf Stileigenheiten und selbsternannten Traditionsbestimmungen. Tellkamp positioniert sich in seinem Text nämlich sehr eindeutig. Nicht nur nennt er seine Lieblingsautoren (u.a. Thomas Mann, Heimito von Doderer, Gottfried Benn), sein Roman stellt auch eine implizite Ästhetik dar, eine Reflexion über Literatur, Wirkung und Sprache selbst. Neben der narrativen Dimension eines magischen Realismus, ohne jedoch das Freundliche, Warme eines beispielsweise Gabriel Marcía Márquez, gesellt sich eine janusköpfige, auf Verteidigung abzielende Poetologie, die versucht, sich gegen alle Richtungen zugleich abzugrenzen, d.h. ohne Richtung zu sein. Beispielsweise schreibt Tellkamps Protagonist Fabian Hoffmann über den Stil von Meno Rohde:
„Uwe Tellkamp: „Der Schlaf in den Uhren“ (ii: Form)“ weiterlesenDabei kam der Mann gar nicht zum Punkt, sondern schwadronierte in endlosen Schleifen um den heißen Brei, das hatten ihm schon manche seiner Leser vorgeworfen. Der Kerl will auf Kunst machen. Als ob es darauf ankäme, hatte ich an den Rand notiert. Auf Klarheit kam es an, Entschiedenheit, ein heißes Herz bei kühler Hand und eine direkte, unverkünstelte Art in der Durchführung der gestellten Aufgaben. Ins Ziel zu treffen, darauf kam es an.
Uwe Tellkamp aus: “Der Schlaf in den Uhren”