Kalenderwoche 28/29: Lesebericht.

Kalenderwoche 28/29: Lesebericht
Eine Reise durch die literarische Nacht …

Die letzten beiden Wochen standen nicht nur unter dem Zeichen krasser Sommerhitze und Arbeit, Blitzen, Donner und Regengüssen. Der Zusammenstoß zwischen Natur und Gemüt, Somnambulie und Reflexion, wurde zudem befeuert von Bachmanns Aufzeichnungen aus der Zeit der Krankheit und Elfriede Jelineks Die Kinder der Toten. Beide Texte haben mich auf ihre eigene Weise in Beschlag genommen. Werde ich bei Bachmanns Aufzeichnungen das Gefühl nicht los, ungefragt in ihre Privatsphäre einzudringen, gibt mir Jelinek das Gefühl, dass es so etwas wie Privatsphäre gar nicht gibt oder geben kann, dass im Grunde immer alles offenliegt. Jelineks Buch hat mich letztlich sehr viel Kraft gekostet. Seit Jahrzehnten habe ich es lesen wollen und wusste doch immer, nach zwanzig, dreißig Seiten, dass die Zeit einfach noch nicht kommen war. Nun, nach der erneuten Lektüre von Malina, passte es. Unterwegs lesend, jeden Satz studierend, gegen die Ohnmacht der barocken Allegorien ankämpfend, bahnte ich mir einen Weg durch dieses Mammutsatzgewucher. Nicht ohne Freude, aber auch nicht ohne Schrecken. Sie hat alles in die Waagschale geworfen und man merkt es:

„Die Kinder der Toten“ ist sicher mein wichtigstes Werk. Es enthält alles, was ich sagen wollte; es hätte eigentlich genügt, dieses eine Buch zu veröffentlichen.

Elfriede Jelinek aus: „Interview mit profil“ (2004)
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