Gyrðir Elíasson: „Die Sprache der Möwen“

Die Sprache der Möwen von Gyrðir Elíasson.

Es gibt die verschiedensten Theorien über die Dichtung. In beinahe allen erhält die Lyrik gegenüber der Prosa aber den Zug der Einsamkeit, der Einzelheit. Die Sprache emanzipiert sich dort aus dem Funktionskreis der wechselseitig verständlichen Kommunikation und sucht ihre Möglichkeit in der Hermetik des jeweils singulär Erlebten. Die Lyrik Gyrðir Elíassons in Die Sprache der Möwen sucht die Nähe zur Welt, aber nicht durch den Mitmenschen oder das Soziale. In seinen Gedichten tauchen die anderen als gegenüber selten auf. Vielmehr sieht sich ein lyrisches Ich mit einer großen Welt konfrontiert:

Im Café ist niemand außer/ ihm selbst, dem angeblichen/ Besitzer. Der macht sich einen
Kaffee und schaut hinaus, aber/ da ist niemand zu sehen, und/ der Kaffee schmeckt irgend-/ wie seltsam. Er beginnt, etwas auf/ ein Blatt Papier zu kritzeln, das/ neben der Kaffeetasse liegt,/ und bald sind Häuser auf dem/ Blatt zu sehen, menschenleere,/ schwarze Häuser, bei deren/ Anblick es ihm schaudert.
Gyrðir Elíasson aus: „Die Sprache der Möwen“

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Halldór Laxness: „Am Gletscher“

Unaufgeregtheit als Passion … Nobelpreis für Literatur 1955

Ewiges Eis heißen die Gebiete, wo trotz Jahreszeitenwechsel das Eis nie schmilzt. Das Polargebiet kommt einem in den Sinn, aber auch die schneeverwehten Gipfel, Grate und Kämme großer Gebirge. Der Schnee vergeht dort nicht. Das Eis bleibt, und die Gipfel erstrahlen im hellen Weiß. Nicht nur Bergspitzen, auch Gletscher trotzen der Sonne und dem Sommer und legen Zeugnis ab von längst vergangenen Zeiten. Sie halten stand und geben ihr Geheimnis nicht preis. Sie dauern auf anderen Zeitskalen. Halldór Laxness‘ Roman Am Gletscher gleicht einem solchen und zwar in mehrerer Hinsicht:

Es war einer jener Tage im Mai, wunderschön gegen Abend, an denen das Glück des Lebens einem sterblichen Menschen entgegenlächelt. An einem solchen Tag pflegten die Alten zu sagen: Vor seinem Lebensende ist niemand glücklich zu preisen. Der Gletscher, der Terrinendeckel der Welt, deckte die Geheimnisse der Erde zu. Er sah mir und der Frau still nach in der Gewißheit, wenn er sich nur um ein Quentchen rührte, bekäme er einen Riß, aus dem die Maus herausspringt.

Halldór Laxness aus: „Am Gletscher“
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