Jürgen Habermas: „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit“

Kaum ein Denker setzt so viel Hoffnung und Erwartung in die literarische, bürgerliche Öffentlichkeit wie Jürgen Habermas. Mit seiner Habilitationsschrift Strukturwandel der Öffentlichkeit räumte er 1962 dem räsonierenden Publikum die bedeutsame Stellung ein, zwischen Gesellschaft und Staat, also zwischen Bevölkerung und Regierung zu vermitteln. 60 Jahre später erscheint nun Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit, in welchem er diese Rolle, die der literarisch und philosophisch sich bildenden und  Sachverstand sich aneignenden Räsonierenden erneut bestimmt. Noch immer gilt für sie:

Sie [eine Demokratietheorie] muss den prinzipiellen Bedeutungsgehalt der historisch vorgefundenen und bewährten, also hinreichend stabilen Verfassungsordnungen explizit machen und die rechtfertigenden Gründe erklären, die der faktisch ausgeübten Herrschaft im Bewusstsein ihrer Bürger tatsächlich legitimierende Kraft verschaffen und daher auch deren Beteiligung sichern können.

Jürgen Habermas aus: „Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit“
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Kalenderwoche 48-49. Lesebericht.

Kalenderwoche 48-49. Lesebericht.

Eine Lektüre kann auch scheitern. Ich habe mir mit Clemens J. Setz‘ Die Stunde nach Frau und Gitarre wirklich Mühe gegeben. Jede Seite, jede Zeile mit offenen Augen und elastischem Gemüt zur Kenntnis genommen. Mich über die Hunderte von Seiten mitziehen lassen, aber ohne Erfolg. Das Buch brachte keine einzige Saite in mir zum Schwingen, und so zog sich die Lektüre hin und prägte die Kalenderwochen 48-49, bis ich dann die letzten 400 Seiten in einem Rutsch hinter mich brachte.. Als Erholung las ich dann den neuesten Aufsatz von Jürgen Habermas Ein neuer Strukturwandel der Öffentlichkeit und von Johann Gottlieb Fichte die Vorlesung über Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters. Als dies auch nichts brachte, nahm ich Anne Michaels‘ Wintergewölbe zur Hand und fand Trost:

Jede Nacht fiel die Temperatur bis auf den Gefrierpunkt, und die Arbeiter begannen ihren Tag am Feuer. Schon früh am Morgen kostete selbst die kleinste Anstrengung Überwindung. Man sah nie jemanden schwitzen, weil jede Feuchtigkeit sofort verdunstete. Die Männer steckten den Kopf in jeden schattigen Fleck, der zu finden war, quetschten sich in den Schatten von Holzkisten und Lastwagen. Sehnsüchtig blickten sie über den Nil in das Dunkel von Dom- und Dattelpalmen, Akazien, Tamarisken und Maulbeerfeigenbäumen. Sie hielten das Gesicht in den Nordwind.

Anne Michaels aus: „Wintergewölbe“
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