Lew Tolstoi: „Krieg und Frieden“ (ii: Chronik)

Krieg und Frieden von Lew Tolstoi.

Im ersten Teil meiner Besprechung von Lew Tolstois Krieg und Frieden habe ich die latente dynastische Struktur herausgearbeitet, dass unter Krieg insbesondere die Schwächsten und Ärmsten zu leiden haben und wie dies Tolstoi durch die Verschiebungen im aristokratischen Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel von Krieg und Frieden gnadenlos dargestellt hat. Diese moralisch-gestützte Anti-Kriegshaltung sticht aus jeder Facette seines Romanganzen heraus, in welchem der auktoriale Erzähler am Krieg gar nichts finden, schon gar nichts Heroisches oder Fortschrittliches erkennen kann:

Unmöglich zu verstehen, was diese [politischen] Umstände mit dem eigentlichen Faktum des Tötens und der Gewalt zu tun haben; weshalb Tausende Menschen vom anderen Ende Europas, nur weil der Herzog [von Oldenburg] beleidigt war, die Menschen in den Gouvernements Smolensk und Moskau totschlugen und zugrunde richteten und von ihnen totgeschlagen wurden. […] Es mussten Millionen Menschen ihre menschlichen Gefühle und ihre Vernunft verleugnen und von West nach Ost ziehen, um ihresgleichen totzuschlagen, genauso wie einige Jahrhunderte zuvor Massen von Menschen von Ost nach West gezogen waren, um ihresgleichen zu töten.
Lew N. Tolstoi aus: „Krieg und Frieden“

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