Mit dem Untertitel „New York“ setzt Marlene Streeruwitz ihr neuestes Buch Auflösungen eindeutig in die Tradition der Großstadtromane. Sie schließt damit direkt an Romane wie die von John Dos Passos Manhattan Transfer und Alfred Döblins Berlin-Alexanderplatz an. In der deutschsprachigen Literatur findet New York Erwähnung bspw. in Uwe Johnsons Jahrestage und Max Frischs Montauk und, in der Gegenwartsliteratur, u.a. bei Iris Hanika in Echos Kammern. Streeruwitz betreibt in Auflösungen eine eigenwillige Verknüpfung zwischen dem Biographischen und Chronistischen, indem sie das Leben der New Yorker Kulturschaffenden im postpandemischen New York im Bewusstsein einer Lyrikerin namens Nina Wagner gegenspiegelt:
„Marlene Streeruwitz: „Auflösungen““ weiterlesenWas war nun ihre Situation. Ganz konkret. Sie war eine fast 56 Jahre alte alleinerziehende Lyrikerin, die nun endgültig ohne Kind leben musste. Sie hörte dem Geraschel ihrer Finger auf der Tastatur des laptops zu. Und Leon? Dieser Mann hatte sie allein in der Wohnung zurückgelassen. Sie stand wieder an der Tür und horchte, ob sie nun endlich zurückkämen. Die, die sie schützen sollten. Das Kind. Das Kind im Text, den sie abschrieb. Das Kind in dem Text bestätigte ihr das. Das Kind. Ihr Kind. Es hatte ihr aus dieser Situation herausgeholfen. Mit dem Kind. Sie hatte das Kind in seinem Bettchen bewacht, und das hatte sie stark gemacht.
Marlene Streeruwitz aus: „Auflösungen“
