Eva Christina Zeller: „Muttersuchen“

Muttersuchen von Eva Christina Zeller.

Autofiktionales Erzählen lebt von der Erleichterung, dass kein narrativer Bogen gespannt werden muss. Die Lebenszeit selbst gibt den Ton an, und alles andere reiht sich, Ereignis um Ereignis, wie die Perlen auf einer mit Bestimmtheit endenden Kette (nämlich spätestens im Jetzt). Was oft übersehen wird, im autofiktionalen Genre unbeachtet bleibt, läuft auf die Verdichtung der unwillkürlichen Erinnerung hinaus: die Erleichterung vom Plot findet gerade deshalb statt, um dialektische Bilder der Erinnerung im Stillstand zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund erscheint autofiktionales Schreiben als viel risikoreicher. Ergeben sich nämlich keine dialektischen Bilder im Stillstand, war das Schreiben gegenstandslos. Als Beispiele seien Ronya Othmanns Vierundsiebzig genannt oder Tijan Silas, Ingeborg-Bachmann-Preisträger von 2024, Radio Sarajevo. Eva Christina Zeller dagegen besitzt das Gespür und findet die Verdichtungen in ihrem neuesten Buch Muttersuchen:

Dieses Buch ist ein Zopf. Ein alter Zopf, der aus einer stickigen Schublade befreit wurde, um neu geflochten und gezopft zu werden. In ihm werden drei Stimmen verschränkt. Drei Texte aus drei Generationen. Großvater, Mutter, Enkelin. Sie wollen wissen, wer sie sind, und wagen sich ins Fremde vor. Sie reisen nach Bosnien oder Amerika. Sie suchen eine Aufgabe im Leben.
Eva Christina Zeller aus: „Muttersuche“

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