Toril Brekke: „Ein rostiger Klang von Freiheit“

Toril Brekke: „Ein rostiger Klang von Freiheit“
Von offenen Türen und anderen Hindernissen.

Coming-of-Age-Romane spielen oft mit Genre-übergreifenden Stilmitteln, um den Fokus nicht allein auf Familien- und Liebeskonflikte zu reduzieren. Fernanda Melchor bezieht in Paradais Gewaltexzesse mit ein, Ariane Koch in Die Aufdrängung phantastische Parabelelemente und Claudia Durastanti in Die Fremde kulturphilosophische Erwägungen, um nur einige im letzten Jahr erschienen Beispiele dieser Art zu nennen. All diese Romane beschreiben das Aufwachsen, Erwachsenwerden ihrer Figuren, so auch in Toril Brekkes Coming-of-Age Roman Ein rostiger Klang von Freiheit, der von Agathe und ihrem Bruder Morten und ihren familiären Verhältnisse handelt, dessen Hauptaugenmerk aber wie in Stephen Kings Später im Grunde auf dem Unheimlichen, dem Nahen und doch so Fremden liegt:

Mama drehte sich in langsamen Bewegungen, und ihr Gesicht ist einschmeichelnd kokett, während sie zu dem leisen Jazz auf dem Plattenspieler summt, und das Summen wird zu Worten, und sie zeigt auf ihn, den Kindsvater, den Verführer, sie zeigt auf einen Mann im Zimmer, während ihre dünnen Silberarmreifen klirren, und sie spricht es aus: Er war das!
Und aus dem tiefen Sessel mit dem gelbweißgestreiften Bezug ertönt ein seltsames Röcheln, etwas Dunkles aus einer Kehle, wie von einem Tier, einem weidwunden Tier, vielleicht von einer Kugel getroffen oder mit einem spitzen Messer an der Kehle verletzt, ein Röcheln des Todes.

Toril Brekke aus: „Ein rostiger Klang von Freiheit“
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Irvin D. Yalom und Marilyn Yalom: „Unzertrennlich: Über den Tod und das Leben“

Gegen den Tod und andere Übel … (Spiegel Belletristik-Bestseller 21/2021)

„Unzertrennlich“ von Marilyn Yalom, Historikerin, and Irvin D. Yalom, Psychoanalytiker, ist als Buch in jeder Hinsicht ein Grenzgänger. Es ist seitens Marilyn Yaloms auf dem Totenbett und seitens Irvin D. Yaloms in einem Alter verfasst worden, in welchem der Herztod jederzeit eintreten hätte können. Sie ist 87 Jahre alt geworden und verstarb im November 2019. Ihr Ehemann Irvin lebt noch und ist nur knapp ein Jahr älter, war also bereits 88 Jahre alt, als sie starb. Grenzgänger ist das Buch, weil es zwischen Autobiographie und Literatur, zwischen Dokumentation und Anamnese, zwischen Leben und Tod, zwischen zwei Menschen steht, die sich mittels dieses Texts versuchen zu verabschieden.

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