Wolf Haas: „Wackelkontakt“

Wackelkontakt von Wolf Haas. Shortlist Leipziger Buchmessepreis 2025.

Bei Wackelkontakt von Wolf Haas, auf der Shortlist des Leipziger Buchmessepreises 2025, handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Krimi, wie es von dem Brenner-Krimi-Autor Haas zu erwarten wäre. Wackelkontakt unternimmt ein erzählerisches Experiment und reiht sich in die experimentelleren Texte ein, die ohnehin gerne von der Jury des Leipziger Buchmessepreises beachtet werden, bspw. Barbi Marković mit Minihorror, das den Preis ein Jahr zuvor zugesprochen bekommen hat. Haas betreibt aber weniger eine medienkritische Montage- und Kollagentechnik, mit der Marković subversiv gegen Erzählkonventionen vorgeht, sondern eher eine Perspektivdämonologie à la Maurits Cornelis Escher, indem er über eine Figur schreibt, die einen Roman über sich selbst liest:

Das erste Kapitel, das Escher vor dem Einschlafen gelesen hatte, war eine erschütternde Aufzählung der Gewalttaten, zu denen der Kronzeuge aussagte. Seit dem zweiten Kapitel zitterte Escher um das Leben des jungen Häftlings. Er hieß Elio, doch seit er so schön sang, nannten die Zeitungen ihn Luciano. In vier Tagen sollte er aus seiner Hochsicherheitszelle entlassen werden und seinen alten Namen für immer ablegen.  [… Elio] konzentrierte sich wieder auf das Buch, das ihm helfen sollte, so lange wach zu bleiben […] Es handelte von einem Typen, der Escher hieß wie irgendein anderer Typ, der ebenfalls Escher hieß. Escher wartete schon den halben Tag auf den Elektriker.
Wolf Haas aus: „Wackelkontakt“

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