Louis-Ferdinand Céline: „Krieg“

Krieg von Louis-Ferdinand Céline. SWR Bestenliste 11/2023.

Louis-Ferdinand Céline, eigentlich Destouches, verfasste mit Reise ans Ende der Nacht in den 1930er Jahren eine, von seiner Erzählstimme her, völlig neue Form des Romans. In der Tradition der Bänkelsänger, insbesondere eines François Villon bspw. aus Die sehr respektlosen Lieder, gibt Céline der Not, der Armut, dem Elend des Krieges und der Straße eine literarische Stimme. Als Kollaborateur des Vichy-Regime und bekennender Antisemit floh er Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland und ließ in seiner Wohnung viele, fast publikationsfertige, Manuskripte zurück, die nach seiner Rückkehr aus dem Exil und der Haft als verschollen galten. 2019 tauchten die Manuskripte teilweise wieder auf. Krieg, 2022 in Frankreich, 2023 in Deutschland, von Hinrich Schmidt-Henkel übersetzt, ist eines von ihnen. Es handelt, wie schon Reise ans Ende der Nacht, von den Erlebnissen im Ersten Weltkrieg:

Tote da wie dort. Der Kerl mit dem Brotbeuteln war selbst wie eine Granate aufgeplatzt, muss man schon so sagen, vom Hals runter bis mitten in der Hose. Zwei Ratten waren da schon gemütlich in seinem Bauch und knabberten an seinem Brotbeuteln mit trockenen Rinden. Es roch nach verdorbenem Fleisch und verbrannt in dem Pferch, aber vor allem wegen dem Haufen in der Mitte, sicher zehn Pferde, aufgeschlitzt ineinander verkeilt. So hatte der Galopp geendet, auf einen Schlag durch eine Bombe, oder drei davon, zwei Meter entfernt.
Louis-Ferdinand Céline aus: „Krieg“

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