Der Stil von Oswald Egger, des Georg-Büchner-Preisträgers 2024, gilt gemeinhin eher, wie die Herausgeber des Sammelbandes Wort für Wort – Lektüren zu Oswald Egger resümieren, als „unzugänglich“, „uninterpretierbar“ und interessant scheinbar nur für die „literarische Avantgarde“, unternehmen dann jedoch selbst und im Einzelnen den Versuch, diese Aussagen zu widerlegen. Unabhängig von solchen Versuchen, lässt sich jedoch bspw. an Oswald Eggers Diskrete Stetigkeit zeigen, welcher Reichtum und Anschlussfähigkeit seinen Texten zugrunde liegt, wodurch die Behauptung, er sei hermetisch und unverständlich, sich von alleine ihrer Sinnhaftigkeit enthebt. Was Egger nämlich in Diskrete Stetigkeit durchführt, lässt sich als Sprachrettungsexkurs bezeichnen, um den Wald vor lauter Bäumen wieder sehen zu lernen:
„Oswald Egger: „Diskrete Stetigkeit““ weiterlesenMitten im Leben fand ich mich wieder in einem Wald (ohne Weg). Ich schritt durch die links, rechts, links glimmenden Stämme. Aschgrau ragten die Bäume auf, glatt und gerade, wie Schäl-Säulen loderten, oder windstill kräuselnder Rauch, Stummel, Strünke und dicht-an-dicht glosendes Geäst. Dessen Pfosten, Sprossen drei bis vier Schritte auseinander standen als Holz-Wall, Bausch- und Bodenflächen fast, Felsen, Tannen, Wellen ohne Stengel und Schaft, als Pendel im Halmwald, abgeschnitten vom Pfad, doch wo war ich? war ich? ich?
Oswald Egger aus: „Diskrete Stetigkeit“
