Der Stil von Oswald Egger, des Georg-Büchner-Preisträgers 2024, gilt gemeinhin eher, wie die Herausgeber des Sammelbandes Wort für Wort – Lektüren zu Oswald Egger resümieren, als „unzugänglich“, „uninterpretierbar“ und interessant scheinbar nur für die „literarische Avantgarde“, unternehmen dann jedoch selbst und im Einzelnen den Versuch, diese Aussagen zu widerlegen. Unabhängig von solchen Versuchen, lässt sich jedoch bspw. an Oswald Eggers Diskrete Stetigkeit zeigen, welcher Reichtum und Anschlussfähigkeit seinen Texten zugrunde liegt, wodurch die Behauptung, er sei hermetisch und unverständlich, sich von alleine ihrer Sinnhaftigkeit enthebt. Was Egger nämlich in Diskrete Stetigkeit durchführt, lässt sich als Sprachrettungsexkurs bezeichnen, um den Wald vor lauter Bäumen wieder sehen zu lernen:
Mitten im Leben fand ich mich wieder in einem Wald (ohne Weg). Ich schritt durch die links, rechts, links glimmenden Stämme. Aschgrau ragten die Bäume auf, glatt und gerade, wie Schäl-Säulen loderten, oder windstill kräuselnder Rauch, Stummel, Strünke und dicht-an-dicht glosendes Geäst. Dessen Pfosten, Sprossen drei bis vier Schritte auseinander standen als Holz-Wall, Bausch- und Bodenflächen fast, Felsen, Tannen, Wellen ohne Stengel und Schaft, als Pendel im Halmwald, abgeschnitten vom Pfad, doch wo war ich? war ich? ich?
Oswald Egger aus: „Diskrete Stetigkeit“
Inhalt/Ausgangspunkt:
Eggers lyrisches Ich beginnt sofort mit einem Zitat aus Dante Aligheris Die göttliche Komödie (1321), um die weitausgreifenden Thematiken, die nun folgen werden, in einen langen und bereits vielbesprochenen Zusammenhang zu stellen. Egger greift hier keine neue Problematik auf. Er setzt eine Diskussion, ein Gespräch fort, das bereits seit Jahrhunderten andauert. Der erste Teil, das Inferno, beginnt in der Übersetzung von Friedrich Freiherr von Falkenhausen, wie folgt:
Mittwegs auf unsres Lebens Reise fand
In finstren Waldes Nacht ich mich verschlagen,
Weil mir die Spur vom graden Wege schwand.
Wie hart ists, ach, von diesem Walde sagen,
Wie wild und rauh und dicht sein Dickicht droht:
Dran denken nur macht noch aufs neu mich zagen!
Dante Aligheri aus: „Die göttliche Komödie“
Es geht schlicht um Orientierung, um den Zusammenhang zwischen Wirklichkeit und Beschreibung, zwischen Spuren, Gedächtnis, Begriff und Symbol, denn schon „links“ benötigt die Abgrenzung „rechts“ und durch die Abgrenzung selbst, die Differenz, wird solange nichts gewonnen, wie dem kein Maß zugrunde liegt (bspw. vom Beobachter aus). Die Maßlosigkeit oder Inhaltslosigkeit der Sprache verweist auf den mittelalterlichen Nominalismusstreit in der Scholastik (10.-13. Jahrhundert), an dessen Ende eben Dantes Die göttliche Komödie geschrieben worden ist. Egger bezieht sich direkt im ersten Teil in Diskrete Stetigkeit auf die Problematik, ob Begriffe real oder Menschenwerk sind, mit dem Witz, dass für ihn beides Teile einer Poesie und Poetologie bleiben, womit er die Problematik kreativ-schöpferisch unterläuft:
Einmal verbirgt sich das Typische, das Universale, der Rede oder Realität nach, in Charakteristika, und kann – in Wahrheit – heraus- und ausgestellt werden (»universalia sunt realia«). Oder es steckt in Wirklichkeit Nichts, das ist, hinter dem Charakteristischen, und ist (und ist nicht) typisch – nichts anderes als Name, den der Vergleich bewog (»universalia sunt nomina«). […] Kurz, man wird die Dinge, indem und während ich sie verwendete, drehen: Nachdem ich durch Vergleich das Verborgene in Berg und Bär herausgefunden habe, vermag ich durch Vergleich zwischen dem Verbergenden und (»durchs Gebirg«) des Gebärenden eine tiefere (=höhere) Universalität (=Verdrehtheit) herauszufinden, bis hinauf zum Korollar des Berges (montes, mus) auf dem der Bär tanzt (mit Tatzen und Tasten) und den Bäumen Raum gibt und den Bäuchen (im Taumel).
Dies längere Zitat von Egger zeigt, wie er in Diskrete Stetigkeit, „diskret“ als vereinzelt, abgegrenzt, wie auch „diskret“ als leise, taktvoll, subtil vorgeht, nämlich mit dem paradoxen Ansatz (abgrenzt, stetig) von hoch abstrakt zu schelmisch, vorwitzig und sprachlustig, wenn der Universalienstreit ungehindert, d.h. hier stetig vom Charakteristischen zum Tanzen und Bärtatzigen voranschreitet. Egger löst hier die intellektualistische Problematik schlicht und einfach anagrammatisch und alliterativ:
Ich meine, Dinge wie Dreiecke, die ein Keil sind (oder Pfeil), und Zacken oder Zeiger, Berge, ein dreieckiges Loch, Halbparallelogramme (und anderes)? Namen wie Triangel – anagrammatisch, oder klingender – Integral der Ringlagen Leitgarn-artig etwa (etwas zwischen Quadratur und Rad und Schlag, dass es Kreise ohne Ende ja, aber keine ohne Ecken geben werden kann und wird, das runde Viereck ist ein Dreieck, das sich dreht […])
Ausgangspunkt der sprachlichen Forschungsreise bei Egger bildet die Sprach-Bierernsthaftigkeit, der er sich entwindet, indem er die erkannten und entdeckten und auch tradierten Paradoxien gegen den Syllogismus mobilisiert. Von denen tauchen in Diskrete Stetigkeit (hier sanfte Anschlusshaftigkeit) viele auf: das Haufenparadox (ab welcher Zahl von Körnern hört die Menge der Körner auf, ein Haufen zu sein); oder das Barbier-Paradox, die Russellsche Antinomie, ob es eine Menge aller Mengen gibt, die sich nicht selbst als Element enthalten; sowie andere Paradoxien vom Hase und Igel, Achill und die Schildkröte, also verkappte Zeno-Paradoxien allenthalben erwähnt Egger, um die Sprache selbst, die als Menge aller Mengen des Ausdrückbaren offenkundig existiert, vor dem Logischen, d.h. Argumentativen zu retten:
Ich dachte: wieder wie der Wald jetzt, denn die Natur liebte es, sich zu verstecken. Ein Wort ums andere konnte so gefilde sein, daß es wie dicht an dicht aufjocht und die Vorgänge »gedichtig« fitzt und Wege versperrt in Syzygien statt gabelt und verliert. […] Ich habe mir oft gewünscht, ich sollte nach nichts fragen, sondern die Elemente und Ergebnisse wohlgeordnet zusammenwürfeln und kombinieren wie die Gedichte Wort für Wort. Ich würde doch sehen, was herauskäme, wenn ich eins-zwei-drei, in Worten, das Abracadabra vom goldenen ABC verwandte, um Bergen Bären aufzubinden […]
Nicht das Verständnis, sondern das Haarspalterische verliert sich zwischen den Worteskapaden Eggers, der nämlich bestimmte Möglichkeiten und Erwartungshorizonte um- und unterläuft, um frei, nach Ausdrucksfreude, sich verlautbaren zu können, nämlich als selbstgesetztes, selbstfreudiges Eigenmaß.
Kommunikativ-literarisches Resümee:
Egger lässt sich vor dem Hintergrund einer Sprachkrise verstehen, die im 20. Jahrhundert Einzug in viele Debatten gehalten hat. Sprache selbst hat ihre Unschuld verloren, und dies nicht erst mit Victor Klemperers linguistischen Untersuchungen über die Sprache und Ausdrucksformen von Nazi-Ideologen in LTI – Notizbuch eines Philologen (Lingua Tertii Imperii). Sprachfreude, Ausdrucksformen geraten so ins Visier und werden Gegenstände einer Verdachtshermeneutik, die selbst aber Teil des Versuches bleiben, sich mitteilen und mittels Sprache Freiräume schaffen zu wollen. Zu ihnen gehört Brecht und sein Gedicht An die Nachgeborenen:
Was sind das für Zeiten, wo
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!
Bertolt Brecht aus: „An die Nachgeborenen“
Egger bezieht sich explizit auf diese Fragen und scheut nicht, ihnen zu antworten, ihnen sprachlich, reflektorisch nachzugehen, um noch die letzten Bedeutungsnuancen aus ihnen herauszukitzeln, ohne im Mindesten sarkastisch, ironisch oder höhnisch zu werden. Die Lösung besteht nämlich im überraschenden Schluss, dass wenn zwei sich streiten, beide recht, aber auch beide unrecht haben können, also das, was zur Debatte steht, im Streit oft unerwähnt bleibt:
Durch diese [Verkeilung von Gebiet und Gelände], mit und in dieser ist dann der doppelte Boden ungrund offen (ein Faß ohne Boden und Plafond) vom poetischen Tun: im Begriff aufzuhören, ein X für zwei U vorzustellen oder ein U um U auseinanderzusetzen, wie Bäume in einem Anger mit Heimgarten. Ein Gespräch über Bäume ist hier wie dort gleichmöglich, wenn es sich nicht versagt, das Gespräch unter den Bäumen, ununterredend und ununterbrochen mit einzuschließen und dementsprechend, stetig, wie es heißt, diskret darüber zu schweigen, wovon es nicht spricht.
Genau gelesen nimmt Egger hier wiederum den Universalienstreit auf, indem er daran erinnert, dass die Poesie das, worüber sie spricht, gar nicht ersetzt noch verdeckt. Das Gespräch über Bäume ist dort, insbesondere möglich, wo es unter Bäumen stattfindet, also Bäume vor Augen stehen, ein Wald, bspw., beschrieben, begeistert, synästhetisch sprachlich erforscht und besprochen wird. Egger, nominalistisch, setzt das Ding nicht für die Sache, setzt aber auch das Wort nicht unabhängig real, und vermag auf diese Weise dem Argument Theodor W. Adornos zu entgehen, der nach den Erfahrungen im Zuge des zweiten Weltkrieges und des Holocausts schreibt:
Noch das äußerste Bewußtsein vom Verhängnis droht zum Geschwätz zu entarten. Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frißt auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ward, heute Gedichte zu schreiben.
Theodor W. Adorno aus: „Kulturkritik und Gesellschaft“ (1951)
Auch wenn Adorno diese These in dieser ungemilderten Form später einschränkte, geht Egger in Diskrete Stetigkeit aufs Ganze und zeigt, dass die Frage so sich für die Lyrik nicht stellt, sehr wohl aber für den Umgang mit Kunst im öffentlichen Betrieb überhaupt, was aber wiederum mit der Lyrik, dem Reim, dem Versuch, sich auszudrücken, nicht gleichgesetzt werden kann, denn Sprache steht nicht fest. Sie ist schlicht kein bleibendes, starres, ein für alle Mal festgelegtes Etwas:
Formen, die verbrämten, Schnitte ins Jetzt. Das stetige Werden, in seine bruchlosen Momente zerlegt, erscheint als ein stetiges Entstehen mit verfestigter Gliederungsstruktur des schon Gewordenen. Jetzt ist jenes jedesmal, »jeweils-jetzt« neue Entstehende als ein Verschiedenes gesetzt; ich halte hierbei nun beim jeweilig Gewordenen weder fest noch inne und gelange sukzessive zum Begriff der stetigen Veränderung.
Diese Sprachanschauung erlaubt nun Egger, mit dem paradoxen mathematischen, wissenschaftlichen Bedeutungsapparat im Nacken, die Last von Eineindeutigkeit abzuwerfen, die Sprache zu verflüssigen und Neologismen zu finden, auf die der Bedeutungsverdacht und Geschichtsklittungsvorwurf gar nicht zutreffen kann, denn sie entstehen, beginnen, fangen erst an, und zwar im Abheben und fröhlichen Beschreiben und Bestehen auf ein augenblickliches Jetzt:
Verschwand das Bild? Wie die kleinen Höfe um Sonne und Mond, wenn der Schatten auf eine mit Lichtdistelchen veraschte und goldstaubbetaute Fläche fällt; die ebene Ödnis verdorrte, und Grashorstsilberpolster in niedrigem, wie Streu gesträuchtem Licht lag vor den getäuschten Augen. Während die tauben Bäume mir ihre dunkle Seite zukehrten, sah ich davon ab: von den rings in Schlagschatten aufragenden Stämmen die angehellte Seite, und von den auf ihnen verflochtenen Rinden den Harzglanz tropfend von Moos-Oberseite und Schorfflächen rissig eingesickert. Nicht: etwas ist identisch mit etwas (und existiert), sondern die beiden Etwasse sind gleich (und unter anderem) gleich.
Mit anderen Worten, der Beobachter selbst wird Teil des Beschreibens, und im Beobachter selbst mischen und vergehen die Bilder, entstehen neue, verändern sich alte, bleiben und entwickeln sich die Formen, die sich zum lyrischen Klang und letztlich poetischen Ausdruck formen lassen. Egger bricht in Diskrete Stetigkeit eine Lanze für die Freiheit des poetischen Schreibens, für die Beweglichkeit der Sprache, für die Freiräume eines ungeminderten, sorglosen Schreibens, das sich und die Welt klanglich, bildnerisch erforscht. Egger verbindet eine Esther Kinsky aus Rombo oder Hain und ihre italienischen Pappeln mit einem Vergil aus seinen Bucolica, Georgica voller rissigem Bartmoos und glimmendem Zunderund lässt Diskrete Stetigkeit als genau dieser tradierte Zusammenhang erscheinen: Individuen, diskrete Einzelne, kommunizieren unaufhörlich miteinander über und in der Zeit durch und mit der Sprache als stetiges Ganzes.
Jedes Jetzt ist Präsens und Präsenz in einem; es bildet die Gegenwärtigkeit des Gegenwärtigen, des Künftigen und des Vergangenen im Tripelpunkt rhythmischer Repetitionsmuster, die sich nicht mehr mit dem metrischen deckt, sondern interferiert.
Auf diese Weise verbindet Egger Humor und Leichtigkeit mit Strenge und Tradiertheit, nimmt auf, entwickelt weiter, und dichtet dennoch wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Sprachfreudiger und Ich-bewusster geht es kaum noch.
tl;dr … eine Kurzversion der Lesebesprechung gibt es hier.
Nächste Woche am 03.09.2024 auf Kommunikatives Lesen:
Das Porträt von Jean de Palacio, eine Kurzrezension findet sich hier.
Andere aktuelle Kurzrezensionen befinden sich hier.

Nur soviel erstmal: Vor kurzem fiel mir selbst das Duo ein Präsens und Präsenz. Merkwürdig nicht?!
Deinen Text muß ich nochmal sorgfältig lesen, das liegt daran, daß ich heute schon einiges gelesen hatte.
Das Duo impliziert sehr Divergentes, trotz zumindest buchstäblicher Ähnlichkeit, denn gesprochen unterscheiden sie sich schon sehr stark. Vor allem ist Präsens auch eher ein linguistisch, sprachwissenschaftlicher Begriff, kaum einer redet ja über Präsens und Präteritum, dennoch so aufgeschrieben wirkt es eigenartig, stimmt. Viele Grüße!
Solange das „selbstfreudige Eigenmaß“ nicht dazu führt, dass Egger die LeserInnen unterwegs zurücklässt, kann solches Spiel sehr inspirierend sein. Deine ausführlichen Zitate deuten an, dass er sie durchaus mitnimmt und mitspielen lässt. Du selbst jedenfalls klingst sehr angetan.
Spätestens mit deinem Bezug auf Esther Kinski hast du mich natürlich am Wickel.
Egger mag es hier und da übertreiben (Mittelteil von Diskrete Stetigkeit, wo es um Riemannsche Flächen geht, und ich als Differentialgeometrie bewanderter wurde da oft unfreiwillig abgehängt), es bleibt dennoch ein freundlicher, wohlgesonnener Unterton zurück. Dennoch keine leichte Nachmittagslektüre, dafür will er zu viel von Sprache, aber Kinsky lässt sich auch nicht wirklich nebenher lesen. Ich hatte eigentlich Zitate von Kinsky im Ärmel, konnte sie aber aus Platzgründen nicht anbringen – in Sachen Bäumen, aus „Hain“, deshalb nun hier:
„Ich blieb immer wieder stehen und schaute, über meine Schwäche betreten, zum Himmel und in die Bäume. In einigen Nadelbäumen entdeckte ich dabei weißliche Knäuel in hochgelegenen Astgabeln und Verzweigungen, helle Gespinste, sich leicht nach oben verjüngende Schleiertrommeln, Kokons aus Wolkenresten, in denen womöglich seltene Schmetterlinge heranreiften, die im Sommer schlüpfen würden, um in werweißwelchen Farben ihre Flügel auszubreiten und sich unmerklich zitternd auf den fornetti niederzulassen, neben den ewigen Lampen, deren Schein sich dann im grellen Sonnenlicht auflöste.“
Esther Kinsky aus: „Hain“
Einfach toll 😁🤗 Danke fürs Lesen, Ule! Viele Grüße!
Danke für das Zitat, Alexander. Ja, sie kann’s …
Einerseits wird man sprachlich zu vielem angeregt, andererseits traut man sich ja kaum mehr zu sprechen. Orwell ist ja gegen heutigen Sprachgebrauch eine Kinderei. Selbst die Nazis waren ja – behaupte ich mal – im Verdrehen von Begriffen nur die Anfaenger. „Wie soll ich Dich nennen, ohne in anderer Sprache zu sein?“ (Bachmann). Jaja, der Wald, den man vor lauter Baeumen nicht sieht…Klar, Dante…und ich höre (schaem) zum ersten Mal von Esther Kinsky! Die Knacknuss: Begriffsbildung. Müssten wir nicht etwas weiter sein als über Nominalismus und Realismus zu streiten?
Ja, sollte inwiefern? Anscheinend herrscht stets eine Sprachverliebtheit vor, die das, was sprachlich gesagt werden kann, auch findet – statt für das, was gefunden wird, neue Sprache zu schaffen. Ein stets immer wieder herausforderndes Spektakel. Egger, finde ich, hilft, auch für das Neue offen zu bleiben. Dein Bachmann-Zitat passt gut dazu. Orwell müsste ich mal wieder lesen, schon soooo lange her. Du meinst 1984?
genau: 1984. Apropos neue Worte ein Vorschlag: gegenwartsbefleckt…
Ich gestehe, der Titel hat, hätte mich abgeschreckt. Als bekennender Mathe – Analphabet, der schon bei den Grundrechenarten oft aufgibt und bis heute nicht recht begriffen hat, zum Glück kamen die Taschenrechner auf, wie man mit dem Rechenschieber ein annehmbares Ergebnis erzielt. Und, der arme Autor und seine Namensbrüder mögen mir Verzeihen, lese ich auf einem Buch Oswald, so kommen ungute Gedanken an einen Spengler (d.i. Klempner am Untergang des Abendlandes, der dieses Ziel ja auch, wenn auch ein wenig anders als gedacht, erreicht hat. (Offenbar sind wir auch längst nicht drüber weg, ganz im Gegenteil!)
Der Autor – ich las noch nichts von ihm, habe den Namen schon mal gehört – scheint mir eine Entdeckung zu sein und eine Reise zu ihm wert. Zumindest dieses Buch in seinen Ausschnitten gefällt mir. Ich muß doch rasch einmal notieren…
(wobei Dante und Brecht (dichterisch, das muß man bei Brecht hinzufügen.) bei alledem so außer Frage stehen, dass sich da Jedermann daran vergehen kann, ob mit Worten oder Taten, dass nichts außer ein wenig Taubendreck auf den Denkmälern zurückbleibt. Das sage ich mir zumindest jedes Mal, wenn ich mir erlaube, auf einen der Alten einzugehen.)
Das stimmt – auf die Alten zu rekurrieren muss aber dennoch nicht gelingen. Hier erweitert der Egger einfach den Sprachgestus selbst, die Unsicherheit als Sicherheit im Klang und im Selbstbewusstsein des Dichtens. Das hat mir gefallen, die Paradoxa hindurch zu deklinieren und dabei einfach die Sprache ein Stück weit vom Ballast zu befreien, ohne sich der Ignoranz zu ergeben. Ein schönes Balancestück. Danke fürs Lesen! Mit Mathematik hat der Egger übrigens auch nicht viel am Hut, ein Drittel des Buches (der Mittelteil) ist selbst für mathematisch sehr Bewanderte aus expressiven Gründen unverständlich geblieben. Ich mag diesen fröhlichen Dilettantismus sehr gern! Viele Grüße und Danke fürs Lesen!
Excellent review, thanks. Has anyone (competent) reviewed the mathematics in the book?