Leipziger Buchmesse Preis 2026: Die Shortlist. Mein Fazit.

Als ich meinen Blog begann, im Frühjahr 2021, bekam Iris Hanika mit Echos Kammern den Preis der Leipziger Buchmesse zugesprochen. Es hat mich damals fröhlich gestimmt, ein solch buntes, lebenslustiges, verspieltes, verschrobenes Werk so geehrt zu finden. Zu diesem Zeitpunkt bin ich in Sachen Gegenwartsliteratur ziemlich unbewandert gewesen, wenn nicht sozusagen völlig ahnungslos. Iris Hanika, Clauda Durastanti mit Die Fremde, und Helga Schuberts Vom Aufstehen motivierten mich daraufhin, tiefer in die Tiefen und Untiefen des literarischen Gegenwärtigen einzutauchen, und seitdem lese ich die jeweiligen Shortlist-Titel des Georg-Büchner-Preises, des Preises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, des Literaturnobelpreises und auch die des Leipziger Buchmesse-Preises mit lebendig sich hebendem und veränderndem Interesse.

Was hat also der Leipziger Buchmesse-Preis 2026 zu bieten?

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Elli Unruh: „Fische im Trüben“

Fische im Trüben von Elli Unruh. Shortlist Leipziger Buchmessepreis 2026.

Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026: Fische im Trüben behandelt das Thema Umsiedlung, Heimatverlust und Vertreibung anhand einer aus der Ukraine vertriebenen Familiengeschichte von (mennonitischen) Russlanddeutschen, die sich nach Bürger- und Weltkriegswirren im entfernten Kirgisien der1950er Jahre wiederfinden. Der Debütroman von Elli Unruh spannt einen Erinnerungsraum in der Weite und Breite der kirgisischen Steppe auf und schließt sich Werken wie Birobidschan eines Tomer Dotan-Dreyfus oder Herta Müllers Atemschaukel an, aber geht auch den Spuren eines Siegfried Lenz aus Heimatmuseum nach, indem die Erinnerung, das museales Verarbeiten, das Festhalten am Brauchtum in diesen Romanen selbst problematisch, fast zu einer Drangsal werden. Unruhs Roman lebt jedensfalls vor allem und zuvörderst von der beschriebenen Leere und Weite der Landschaft vor dem über 7000 Meter hohen Tian Shan:

Zuletzt im Sommer, wenn die Steppe wie das Fell einer Saiga [Antilope] im tiefen Licht der Sonne steht und im Osten das Tian Shan-Gebirge mit langgestreckten Hängen, Gletscherfirst und wind- und eisgeschärften Kämmen jeden Tag eher in der Dunkelheit versinkt, neigen sich, von Äpfeln beladen, die Äste der Bäume im Gärtchen Almaly [Apfel] schon fast bis zum Boden. Wenn nicht bald jemand zur Ernte kommt, brechen sie ab, dann war alles umsonst.
Elli Unruh aus: „Fische im Trüben“

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