James Baldwin: „Giovannis Zimmer“

Giovannis Zimmer von James Baldwin … Spiegel Belletristik-Bestseller (05/2020)

Oft drohen Romane von politisch-engagierten Schriftstellern und Schriftstellerinnen nur hinsichtlich ihrer Rolle im sozialen Kampf um Gleichberechtigung beurteilt und untersucht zu werden. Sie bleiben als Meilensteine einer Verlautbarwerdung im Gedächtnis, ohne die spezifisch literarischen Aspekte ihres Werkes, ihrer Sprache eingehender zu würdigen. Werke wie Giovannis Zimmer von James Baldwin tragen schwer an ihrer Rolle als historisch gewordenes Dokument, erschließen sie doch außergewöhnliche Dimensionen des poetischen Lebens und literarischen Ausdrucks zugleich:

Ich erinnere mich nur noch, dass wir durch die abendlichen tropisch heißen Straßen von Brooklyn gingen, wo die Hitze aus dem Asphalt quoll und von den Mauern mit mörderischer Gewalt zurückgeschleudert wurde, wo sämtliche Erwachsenen der Welt ungekämmt und laut schwatzend vor den Haustüren hockten und sämtliche Kinder der Welt auf den Gehsteigen, im Rinnstein oder auf den Feuertreppen spielten.

James Baldwin aus: „Giovannis Zimmer“
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Emine Sevgi Özdamar: „Ein von Schatten begrenzter Raum“

ein sprachlich, eindringliches Zeitdokument … Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022

Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse (3/5): Ralph Waldo Emerson schrieb im Frühjahr 1841 in sein Tagebuch: „An die Stelle von Romanen werden schließlich Tagebücher oder Autobiographien treten […]“ Seine Prognose ist in dieser Alleingültigkeit bislang nicht aufgegangen, auch wenn sich autobiographische Romane einer großen Beliebtheit erfreuen wie beispielsweise zuletzt mit Hast du uns endlich gefunden von Edgar Selge, der ein eindringliches Porträt seines musizierenden und die Familie tyrannisierenden Vaters entworfen hat, oder Claudia Durastantis Die Fremde, die ihren Werdegang als Musikkritikerin und Autorin und die Liebe und Konflikte mit und zwischen ihren taubstummen Eltern beschrieben hat. Mit Ein von Schatten begrenzter Raum legt Emine Sevgi Özdamar ebenfalls einen autobiographischen Roman vor. Özdamar hat bereits viele Preise für ihre Romane und Theaterstücke zugesprochen bekommen (u.a. den Ingeborg-Bachmann-Preis 1991, den Kleist-Preis 2004 oder den Fontane-Preis 2009) und für ihren neuesten Roman bereits den Bayrischen Buchpreis für das Jahr 2021. Es handelt sich um ein eindringliches Zeitdokument der sprachlich besonderen Art:

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