Leipziger Buchmesse Preis 2026: Die Shortlist. Mein Fazit.

Als ich meinen Blog begann, im Frühjahr 2021, bekam Iris Hanika mit Echos Kammern den Preis der Leipziger Buchmesse zugesprochen. Es hat mich damals fröhlich gestimmt, ein solch buntes, lebenslustiges, verspieltes, verschrobenes Werk so geehrt zu finden. Zu diesem Zeitpunkt bin ich in Sachen Gegenwartsliteratur ziemlich unbewandert gewesen, wenn nicht sozusagen völlig ahnungslos. Iris Hanika, Clauda Durastanti mit Die Fremde, und Helga Schuberts Vom Aufstehen motivierten mich daraufhin, tiefer in die Tiefen und Untiefen des literarischen Gegenwärtigen einzutauchen, und seitdem lese ich die jeweiligen Shortlist-Titel des Georg-Büchner-Preises, des Preises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, des Literaturnobelpreises und auch die des Leipziger Buchmesse-Preises mit lebendig sich hebendem und veränderndem Interesse.

Was hat also der Leipziger Buchmesse-Preis 2026 zu bieten?

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Norbert Gstrein: „Im ersten Licht“

Im ersten Licht von Norbert Gstrein. Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026

Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026: Im ersten Licht von Norbert Gstrein erzählt die Geschichte eines 1901 geborenen Mannes, der zwei Weltkriege und das Ende des Kalten Krieges erlebt und bis 1988 wartet, jemandem von seinen Erinnerungen zu erzählen. Sein Name lautet Adrian Reiter, begeisterter Kriegshistoriker und Kavallerie-Forscher, und erinnert von den Lebensumständen her betrachtet an John Williams Stoner oder auch an den Butler Mr. Stevens aus Kazuo Ishiguros Was vom Tage übrigblieb. Es handelt sich eher um stille, sich zurücknehmende männliche Charaktere, die sich ihrer jeweiligen Umwelt anpassen oder anpassen müssen und so stets im Hintergrund zu versinken drohen. Als Archetyp können solche Figuren von Harry Haller, der Hauptfigur aus Hermann Hesses Der Steppenwolf (1927), zehren. Adrian Reiter zeichnet im Gegensatz zu den genannten jedoch eine gewisse Kriegs- oder Kavallerie-Begeisterung aus:

Adrian hätte an diesem Tag selbst gern mitgespielt. Er war nicht im Krieg gewesen, aber [die Kriegsversehrten] waren alle fast gleich alt wie er, nur wenige Jahre älter, und er fühlte sich ihnen in einer paradoxen Sehnsucht zugehörig und hätte noch Jahre später im Schlaf ihre Namen aufsagen können, kaum dass er sie einmal gehört hatte, natürlich bloß die Nachnamen, wie es beim Militär üblich war, sechs an der Zahl […] War es Loyalität? War es bloß sein schlechtes Gewissen? War es Begeisterung? Ein jeder von ihnen hatte seine Schreckensgeschichte, die Adrian erspart geblieben war, und er konnte nicht sagen, warum er jeden einzelnen als seinen Bruder empfand.
Norbert Gstrein aus: „Im ersten Licht“

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