Noemi Somalvico: „Ist hier das Jenseits, fragt Schwein“ [Das Debüt 2022]

Ist hier das Jenseits, fragt Schwein
Farm der Tiere, nur friedlich … Shortlist des Bloggerpreises „Das Debüt 2022“

Sprechende Tiere tauchen gar nicht so selten in der Literatur auf, bspw. die sprechenden Hunde in Franz Werfels Stern der Ungeborenen oder in Franz Kafkas Ein Bericht für eine Akademie oder als neuere Variante Bekenntnis des Affen von Shinagawa aus Haruki Murakamis Erste Person Singular. Als Träger der Haupthandlung, als Haupfiguren also, tauchen sie seltener auf. Allen voran wären da zu nennen: George Orwells Die Farm der Tiere, und Jack Londons Ruf der Wildnis oder Unten am Fluß von Richard Adams. Im Gegensatz zu den genannten Versionen existieren in Noemi Somalvicos Ist hier das Jenseits, fragt Schwein gar keine Menschen, nur Tiere und Götter:

Nacht ist nicht geworden. Deshalb gibt’s auch keinen Tagesanbruch, keine Morgenröte, keinen ersten Sonnenstrahl, der auf den Sand fällt, sodass dieser zu sirren beginnt. Wären da nicht die kleinen Insekten, die herumschwirren, man könnte meinen, bei dieser Landschaft handle es sich um ein begehbares Foto. […] Gott trottet im Abstand von etwa hundert Metern hinterher. Es ist keine Kunst, der Route von Dachs und Schwein zu folgen. Mit dem Koffer, den es wie einen Schlitten hinter sich herzieht, gräbt Schwein eine fette Linie in den Sand.

Noemi Somalvico aus: „Ist hier das Jenseits, fragt Schwein“
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Haruki Murakami: „Erste Person Singular“

Ein Schreiben, auf dass die Worte nicht verschwinden. (Spiegel Belletristik-Bestseller 07/2021)

In „The Great Passage“ einer japanischen Anime TV-Serie wird ein Bücherwurm verpflichtet, ein Wörterbuchprojekt weiterzutreiben, dass ein in Rente gehender Lektor begonnen hat. In einem Labyrinth der Selbstverpflichtung sondiert diese Serie in langsamen, seltsamen Unterhaltungen das besondere an Wörterbüchern, ihre eigentümliche Widerstandskraft und Persönlichkeit, die Geschichte also, die in jedem Versuch steckt, dieses und kein anderes Wörterbuch zu dieser oder jener Sprache vorzulegen. Der Protagonist, Mitsuya Majime, lebt zurückgezogen mit seiner Katze, übernimmt diese Aufgabe in sich selbst verleugnender Pflichterfüllung und findet so sein Glück, heiratet die angehende Köchin Kaguya Hayashi und lernt, spärlich, zäh, unsicher von Wort zu Wort mehr seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

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