Nora Schramm: „Hohle Räume“

Hohle Räume von Nora Schramm. Mara-Cassens-Preis 2025.

Die Selbstkritik am Kunstbetrieb taucht in der klassischen wie der modernen Literatur immer wieder auf. Ein klassisches Werk dieser Art wäre Das Werk von Émile Zola, moderne Vertreter dagegen Alte Meister oder Der Untergeher von Thomas Bernhard, und Magdalena Saiger hat mit ihrem Debüt Was ihr nicht seht aus dem Jahr 2023 einen ähnlichen thematischen Zug, wo ein namenloser Protagonist der Kunstmarketingbranche entflieht und inmitten eines Autobahnkreuzes eine riesige, für sich stehende Installation baut und nach Fertigstellung gleich wieder, ohne dass je jemand dieses Kunstwerk zu Gesicht bekommt, zerstört. Nora Schramm, die 2025 für ihren Debütroman Hohle Räume den Mara-Cassens-Preis des Literaturhauses Hamburg zugesprochen bekommen hat, stellt die Bildende Künstlerin Helene Michels ins Zentrum des narrativen Geschehens, die ihre Eltern in Stuttgart/Findelheim besucht:

Die Mutter hat bereits die getönten Gläser meiner Brille bemerkt, sie fragt sich bereits, warum immer dieses riesige schwarze Ding mitten im Gesicht, sie sorgt sich bereits um die Gesundheit meiner Augen. Ich gehe weiter auf sie zu, als Versicherung, als Beweis für was mal war, und keiner ist sich so ganz sicher, was mal war, vor allem nicht, wie es eigentlich wirklich und ehrlicherweise mal war, aber ich, die ich blass geworden bin und zielstrebig meinen Koffer über den polierten Boden des Stuttgarter Flughafens ziehe, bin offensichtlich real, bin offensichtlich ein Produkt, und zwar von dem, was mal war, und das tut gut zu wissen.
Nora Schramm aus: „Hohle Räume“

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