Die sogenannte hardboiled-Erzählstimme, die Raymond Chandler in Der große Schlaf (1939) oder Dashiell Hammett in Der Malteser Falke (1929) in die Literaturgeschichte eingeführt haben, entlastet die literarische Bearbeitung einer überkomplexen chaotischen Welt von jedweder Sinngebungserwartung und moralischer Wertung. Thomas Pynchon praktiziert eine solche in Schattennummer (2025) und auch in seinem Erstling V. (1963). Rachel Kushners See der Schöpfung, nominiert für den Booker-Preis und Gewinner des zum ersten Mal in diesem Jahr ausgelobten Spiegel Buchpreises, stellt nun neben Philipp Marlowe und Samuel Spade eine weitere markante Erzählfigur, Sadie Smith:
„Rachel Kushner: „See der Schöpfung““ weiterlesenIch stand um vier Uhr morgens am Fenster und sagte mir: Auch du hast einen Kern aus kostbarem Salz. Der menschliche Salzkern, wie dieses Salz von Cardona, kommt aus dem tiefsten Teil von uns. Menschliches Salz, wie dieses Salz, ist unvergänglich. Baut es ab, benutzt es, und es wird sich nicht erschöpfen.
In meinem ureigenen Salz, meinem Kern, wusste ich dies:
Das Leben dauert eine Zeit lang an. Dann endet es.
Es gibt keine Gerechtigkeit.
Schlechte Menschen werden geehrt, gute bestraft.
Auch das Gegenteil stimmt.
Rachel Kushner aus: „See der Schöpfung“
