Tezer Özlü: „Die kalten Nächte der Kindheit“

Die kalten Nächte der Kindheit von Tezer Özlü.

Tezer Özlü starb bereits 1986 sehr früh, im Alter von 42 Jahren. Sie veröffentlicht, neben Übersetzungen, vor allem zwei Arbeiten, die beide nun auf Deutsch erhältlich sind: Die kalten Nächte der Kindheit (1980) und Auf den Spuren eines Selbstmordes (1982). Die Kalten Nächte der Kindheit behandelt vorwiegend Özlüs eigene Erfahrungswelt, indes sie in Auf den Spuren eines Selbstmords bspw. dem Selbstmord des italienischen Schriftstellers Cesare Paveses nachforscht. Özlü arbeitet literarisch-grenzüberschreitend zwischen Fiktion, Lyrik und Reflexion und zeigt wie Dinçer Güçyeter in Unser Deutschlandmärchen wie Autofiktionalität sich selbst plausibilisiert, und zwar mittels eines durchweg lyrisch-gehaltenen Tons, der die Erinnerungen und Reflexionen aus dem Dokumentarischen ins Literarische versetzt:

Oft bellen dann die Straßenhunde. Und ich liege wieder in einem Haus auf dem Land oder am Waldrand. Und ich will, dass die Hunde nie aufhören zu bellen. Morgens will ich gleich nach dem Aufstehen in einen Garten treten, in die Natur. Und schreiben. Lange, lange schreiben. Ich schreibe immer in Gedanken. Ich will aufstehen. Die Spiegelung der Lichter auf dem Meer sehen. Und die schwarzen Schatten der Bäume. Die Häuser sind dunkler als in der Nacht. In einigen Fenstern brennt Licht. Doch ich wache auf, und was ich geschrieben habe, erlischt in meinem Gedächtnis.

Tezer Özlü aus: „Die kalten Nächte der Kindheit“
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