Gabriel García Márquez: „Wir sehen uns im August“           

Wir sehen uns im August … Nobelpreis für Literatur 1982.

Fragment gebliebene Manuskripte faszinieren, aber verstören auch. Die Kommunikation bricht mitten im Satz ab. Der Text verstummt. Es bleiben Lücken, die gewollt oder ungewollt sein können. Im Nachhinein lässt sich, auch bei ausgeklügelster Editionsrecherche, nicht mehr feststellen, wie der Text fertig gestellt worden wäre. Franz Kafkas Das Schloß, Werner Bräunigs Rummelplatz, Friedrich Hölderlins Der Tod des Empedokles, Hermann Brochs Bergroman, Fernando Pessoas Das Buch der Unruhe gehören zu solchen Texten. Je umfangreicher jedoch das Manuskript, desto mehr stellt sich ein Eindruck, eine Tendenz ein. Beim Der Tod des Empedokles, oder Franz Kafkas Der Proceß wirkt die Kürze nach. Gabriel García Márquez‘ Wir sehen uns im August stellt eine Ausnahme dar. Unvollendet und knapp im Umfang wirkt die Struktur nichtsdestotrotz fest und entschlossen:

Es hatte zwei Uhr geschlagen, als ein Donner das Haus bis ins Fundament erschütterte und der Wind den Riegel des Fensters aufdrückte. Schnell schloss sie es wieder, und im plötzlichen Mittagslicht eines weiteren Blitzes sah sie die aufgewühlte Lagune und, durch den Regen hindurch, den riesigen Mond am Horizont und die blauen Reiher atemlos im Sturm flattern.

Gabriel García Márquez aus: „Wir sehen uns im August“
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