Jean Paul (1763-1825) gilt zurecht als ein Solitär der Literaturgeschichte, vergleichbar höchstens mit einem François Rabelais (1483-1553) oder François Villon (1431-1463). Wenige haben seinen Stil fortgesetzt. Im deutschsprachigen Raum können da Albert Vigoleis Thelen mit Die Insel des zweiten Gesichts oder das Werk von Arno Schmidt genannt werden. Von Jean Pauls breitem Gesamtwerk sticht nach mehr als zwei Jahrhunderten noch immer Siebenkäs heraus, der weniger auf zeitgenössische Diskurse Bezug nimmt, als sich um poetische Bewältigung der elementarsten Erfahrungen der menschlichen Existenz bemüht: den Tod, die Ehe und die prekäre Sicherheit der sozialen Existenz. All dies versammelte Jean Paul ungewöhnlich kondensiert im länglichen Titel seines Romans, der mit vollständigem Titel Blumen-, Frucht- und Dornenstücke oder Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs heißt. Er beginnt mit der Hochzeit von Firmian Siebenkäs und Wendeline Lenette Egelkraut:
„Jean Paul: „Ehestand, Tod und Hochzeit des Armenadvokaten F. St. Siebenkäs““ weiterlesenDroben [hinter der Liedertafel des Chors in der Kirche] guckt nämlich herunter – und wir sehen alle in der Kirche hinauf – Siebenkäsens Geist, wie der Pöbel sagt, d.h. sein Körper, wie er sagen sollte. Wenn der Bräutigam hinauf schauet: so kann er erblassen und denken, er sehe sich selber. – – Die Welt irrt; rot wurd‘ er bloß. Sein Freund Leibgeber stand droben, der schon seit vielen Jahren ihm geschworen hatte, auf seinen Hochzeittag zu reisen, bloß um ihn zwölf Stunden lang auszulachen. Einen solchen Fürstenbund zweier seltsamen Seelen gab es nicht oft.
Jean Paul aus: „Siebenkäs“













