Bret Easton Ellis: „American Psycho“

American Psycho von Bret Easton Ellis … Realitätsverlust als Plot.

Glaubwürdige Antipathen finden sich nicht so oft in der Literatur. Oft wird als Weg aus dem Dilemma die Satire gewählt, d.h. aber schon im Vorhinein auf Glaubwürdigkeit zu verzichten und die Überzeichnung, also Karikatur zu wählen. Hiervon gibt es viele Beispiele: Heinrich Manns Der Untertan, Maxim Billers Der falsche Gruß, Vladimir Nabokovs Lolita oder kürzlich Gaea Schoeters Trophäe. American Psycho von Bret Easton Ellis geht den schwierigeren Weg und plausibilisiert den Antipathen, ohne sich über ihn lustig zu machen und ihn bloßzustellen:

Ich gehe nach Hause, sage ›gute Nacht‹ zu einem Portier, den ich nicht erkenne (es könnte irgend jemand sein), dann Überblendung auf mein Wohnzimmer hoch über der Stadt, aus der leuchtenden Wurlitzer 1015 Jukebox (die nicht so gut ist wie die rare Wurlitzer 850) in der Ecke singen die Tokens »The Lion Sleeps Tonight«. Ich masturbiere, denke erst an Evelyn, dann an Courtney, dann an Vanden und wieder an Courtney, aber kurz bevor ich komme – ein schlapper Orgasmus – an ein halbnacktes Model in einem Trägertop, das ich heute in einer Calvin-Klein-Anzeige gesehen habe.
Bret Easton Ellis aus: „American Psycho“

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