Immanuel Kant: „Die Kritik der Urteilskraft“ (iii: Resümee)

Kritik der Urteilskraft von Immanuel Kant.

Im ersten Teil der Besprechung von Immanuel Kants Die Kritik der Urteilskraft wurde dessen Schönheitsbegriff entwickelt und zwar als das, was das freie Spiel der Erkenntniskräfte, bestehend aus Verstand und Einbildungskraft, erlaubt. Im zweiten Teil habe ich eine Art Schönheitskanon von Kant rekonstruiert, der, rein formalistisch geprägt, die Kunstwerke danach beurteilt, inwiefern sie die Erkenntniskräfte beleben, lockern, im Verbund mit Begriffen in Schwebe zu halten vermögen. Im dritten und abschließenden Teil möchte ich nun Kants Ästhetik im Zusammenhang mit der Entwicklung hin zur Moderne und Postmoderne lesen und seine Zeitgemäßheit als Paradigma einer bis in die Gegenwart hinreichenden Literatur- und auch Kunsttraditionslinie herausarbeiten:  

Die Empfänglichkeit einer Lust aus der Reflexion über die Formen der Sachen (der Natur sowohl als der Kunst) bezeichnet aber nicht allein eine Zweckmäßigkeit der Objekte in Verhältnis auf die reflektierende Urteilskraft, gemäß dem Naturbegriffe, am Subjekt, sondern auch umgekehrt des Subjekts in Ansehung der Gegenstände ihrer Form, ja selbst ihrer Unform nach, zufolge dem Freiheitsbegriffe […] 

Immanuel Kant aus: „Die Kritik der Urteilskraft“
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Umberto Eco: „Die Insel des vorigen Tages“

Die Liebe zur Sprache als Sinnsuche auf den Sieben Weltmeeren …

Umberto Eco, Verfasser von dem Roman Der Name der Rose, aber auch von kulturkritischen Schriften wie Apokalyptiker und Integrierte, besitzt eine ganz eigene Vorstellung vom Genre des Unterhaltungsromans. Seine Bücher spielen mit dem enzyklopädischen Wissen.  Sie setzen nicht Wissen voraus, aber kulturell-historisches Orientierungsvermögen – so scheint es. Wer aber den Wissenschaftler der Semiotik zu sehr in den Gaukler des Erzählens übergehen lässt, verpasst, was den Romanen von Eco, auch in Die Insel des vorigen Tages, vorrangig bleibt, nämlich ungetrübte, sich selbst überlassene, über sich hinausgreifende Sprachfreude:

Jede Woge glitzert in schimmernder Rastlosigkeit, hier windet eine Dampfsäule sich empor, dort gurgelt ein Strudel und reißt eine Quelle auf. Bündel ekstatischer Meteore bilden den Gegengesang zur aufrührerischen und in Donnergetöse zerborstenen Luft, der Himmel ist ein Flimmern von fernsten Lichtern im Wechsel mit tiefster Finsternis, und Roberto schreibt, er habe schäumende Alpen gesehen in schlüpfrigen Furchen, die den Schaum zu Garben verwandelt hätten, und der Ceres Früchte seien in Blüte gestanden zwischen funkelnden Saphiren, und von Zeit zu Zeit seien rotglühende Opale hervorgebrochen, als habe die tellurische Tochter Proserpina das Kommando übernommen und ihre fruchttragende Mutter vertrieben.

Umberto Eco aus: „Die Insel des vorigen Tages“
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