Neben seinen Gedichten und Kinderbüchern wie Pünktchen und Anton und Emil und die Detektive verfasste Erich Kästner auch herkömmliche Romane mit Erwachsenen als Zielpublikum. Unter denen erregte Fabian. Die Geschichte eines Moralisten besonderes Aufsehen durch seine sexuelle Freizügigkeit, vergleichbar in neuerer Zeit bspw. mit Charlotte Roches Feuchtgebiete. Im Gegensatz aber zu Roche, deren Schreibweise individualpsychologische Traumabewältigung anvisiert und weniger einen Zeitgeist auf die Schippe zu nehmen versucht, lässt sich Kästners Roman Fabian, der eigentlich Der Gang vor die Hunde hätte heißen sollen und 2013 in Neuauflage auch unter diesem Titel erschienen ist, nur als Parodie auf die Zeit seines Entstehens verstehen, das Ende 1920er Jahre in Berlin:
„Erich Kästner: „Fabian““ weiterlesenSoweit diese riesige Stadt aus Stein besteht, ist sie fast noch wie einst. Hinsichtlich der Bewohner gleicht sie längst einem Irrenhaus. Im Osten residiert das Verbrechen, im Zentrum die Gaunerei, im Norden das Elend, im Westen die Unzucht, und in allen Himmelsrichtungen wohnt der Untergang.
Erich Kästner aus: „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“
