Klassische Musik besitzt immer noch den Nimbus eines Geheimnisses, eines Höheren, eines Edleren und besitzt auch in der Gegenwartsliteratur noch viel Anziehungskraft, insbesondere das Klavier als König der Instrumente, sei’s in Bernhard Schlinks Die Enkelin, in Edgar Selges Hast du uns endlich gefunden oder in Eckhart Nickels Punk. Ältere bekannte Romane wären Die Klavierspielerin von Elfriede Jelinek, Thomas Bernhards Der Untergeher und noch weiter zurückliegend Thomas Manns Doktor Faustus. Takis Würgers Für Polina spielt im Titel auf Ludwig van Beethovens Für Élise (1810) an, um dessen Widmungsempfängerin noch Unklarheit herrscht. Dieses Thema greift Würger in seinem dritten Roman, nach Der Club und Stella, auf, denn auch hier geht ein Lied um die Welt, dessen Widmungsempfängerin unauffindbar scheint:
„Takis Würger: „Für Polina““ weiterlesenEs waren kleine knisternde Funken, die aus dieser Musik stoben, als würde man in Holzkohleglut pusten, aber sie flogen schnell. Und sie flogen weit. Und dort, wo sie auftrafen und die Menschen »MOVER PLAYS PIANO ON THE STREET AND MOVED MY HEART« anhörten, flackerte die Glut auf, und bald loderte eine kleine Flamme, bald entfachten Feuerchen, eins in Hamburg, eins in Garmisch, eins in München, eins in Tbilisi, eins in Istanbul, und daraus sprangen neue Funken. Es entstand ein krachendes Feuer, das nicht aufzuhalten war, es überquerte Ländergrenzen und Sprachen, den Äquator und die Ozeane.
Takis Würger aus: „Für Polina“
