Durch die öffentlichkeitswirksamen Neuübersetzungen von Hinrich Schmidt-Henkel, der auch die Texte des Literaturnobelpreisträgers von 2023, Jon Fosse, vom Norwegischen ins Deutsche überträgt, erlebt der 1970 verstorbene, vielfach für den Nobelpreis vorgeschlagene, Tarjei Vesaas seit ein paar Jahre eine Renaissance und erscheint auf vielen Kritiker-Bestenlisten wie vom SWR. 2025 ist nun die Übersetzung des 1954 publizierten Romans Frühlingsnacht erschienen. Thematisch und atmosphärisch lassen sich viele Parallelen zu Jon Fosses Der andere Name ziehen wie aber auch zu Frank Wedekinds Frühlings Erwachen. Der Stoff Kindheit/Jugend erfährt in Frühlingsnacht eine imaginäre kosmische Selbstüberschreitung als Plot. Vesaas wählt als Erzählinstanz den vierzehnjährigen Hallstein als Hauptfigur:
„Tarjei Vesaas: „Frühlingsnacht““ weiterlesenDas ganze Haus fühlte sich anders an, weil dies eine Mal beide, Vater und Mutter, weggefahren waren. Sie waren früh heute weggefahren, und sie hatten ihr eigenes Gewicht mitgenommen. Es war gut mit ihnen auszukommen, aber doch: Jetzt atmete man erleichtert auf und war allein. So dachte der vierzehnjährige Hallstein, als er hineinging. Er dachte »allein«, denn seine Schwester Sissel, die gerade in der Stube saß, bedeutete für ihn nicht irgendeinen Druck, im Gegenteil. Und jetzt konnte er tun, was er wollte.
Tarjei Vesaas aus: „Frühlingsnacht“
