Leipziger Buchmesse Preis 2026: Die Shortlist. Mein Fazit.

Als ich meinen Blog begann, im Frühjahr 2021, bekam Iris Hanika mit Echos Kammern den Preis der Leipziger Buchmesse zugesprochen. Es hat mich damals fröhlich gestimmt, ein solch buntes, lebenslustiges, verspieltes, verschrobenes Werk so geehrt zu finden. Zu diesem Zeitpunkt bin ich in Sachen Gegenwartsliteratur ziemlich unbewandert gewesen, wenn nicht sozusagen völlig ahnungslos. Iris Hanika, Clauda Durastanti mit Die Fremde, und Helga Schuberts Vom Aufstehen motivierten mich daraufhin, tiefer in die Tiefen und Untiefen des literarischen Gegenwärtigen einzutauchen, und seitdem lese ich die jeweiligen Shortlist-Titel des Georg-Büchner-Preises, des Preises des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, des Literaturnobelpreises und auch die des Leipziger Buchmesse-Preises mit lebendig sich hebendem und veränderndem Interesse.

Was hat also der Leipziger Buchmesse-Preis 2026 zu bieten?

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Helene Bukowski: „Wer möchte nicht im Leben bleiben“

Wer möchte nicht im Leben bleiben
von Helene Bukowski. Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026

Shortlist des Leipziger Buchmesse-Preises 2026: Jugend in der DDR, Coming-of-Age im sozialistischen Korsett taucht in der Gegenwartsliteratur in verschiedensten Konnotationen auf: im Zusammenhang mit der Staatssicherheit in Charlotte Gneuß‘ Gittersee; in der Auseinandersetzung mit der als gewalttätig empfundenen Großelterngeneration in Anne Rabes Die Möglichkeit von Glück; oder als Rebellion gegen die strikten Sexualmoralen in Bettina Wilperts Herumtreiberinnen. Diese Beispiele zehren von den wegbereitenden Romanen von Ulrich Plenzdorf mit Die Leiden des jungen W. oder von Brigitte Reimann mit Franziska Linkerhand. Helene Bukowski amalgamiert in ihrem Wer möchte nicht im Leben bleiben die Stimmung von Reimann mit dem Stoff eines Christoph Heins aus Der Tangospieler, indem sie eine junge Pianistin in ihrem Werdegang durch die Jugendjahre in Neubrandenburg und nach Moskau hin verfolgt:

Du sitzt auf den kalten Dielen in der Wohnung deiner Eltern und schaust dabei zu, wie sie alles, was sich in den Räumen befindet, zusammensuchen und verpacken. Fünf Jahre alt bist du, als ihr aus Leipzig fortzieht. Dein Vater litt wieder an seinem Magenleiden. Er aß kaum noch. Man hatte ihm an der Oper gekündigt. Zu oft hatte er bei den Proben aufbegehrt, mehr Lohn gefordert, weniger Arbeitszeit. Jetzt war ihm eine Stelle als stellvertretender Direktor und Gesangslehrer an der Musikschule in Neubrandenburg angeboten worden.

Helene Bukowski aus: „Wer möchte nicht im Leben bleiben“
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