Wolfgang Koeppen: „Tauben im Gras“

Tauben im Gras
Die neue alte Unübersichtlichkeit … Georg-Büchner-Preis 1962.

Wolfgang Koeppen mit seinem Roman Tauben im Gras (1951) gehört zu den wenigen in der deutschsprachigen Literatur, die in der Nachkriegszeit avantgardistische Ausdrucksmittel verwendet, aufgenommen und weiterentwickelt haben. Heinrich Böll, Günther Grass oder Anna Seghers schrieben klassisch. Alfred Döblin fand zuerst keinen Verleger für seinen Roman Hamlet oder Die lange Nacht nimmt kein Ende, der im Vergleich zu Berlin-Alexanderplatz aber auch eher traditionell erzählt. Wolfgang Borchert und Alfred Andersch bemühten sich um intensive, weniger um sprachexperimentelle Ausdrucksweisen. Zusammen mit Arno Schmidt (Brand’s Haide, 1951) und Hermann Broch (Tod des Vergil, 1945) stellt in diesem Sinne Koeppen eine Ausnahme dar:

Flieger waren über der Stadt, unheilkündende Vögel. Der Lärm der Motoren war Donner, war Hagel, war Sturm. Sturm, Hagel und Donner, täglich und nächtlich, Anflug und Abflug, Übungen des Todes, ein hohles Getöse, ein Beben, ein Erinnern in den Ruinen. Noch waren die Bombenschächte der Flugzeuge leer. Die Auguren lächelten. Niemand blickte zum Himmel auf.

Wolfgang Koeppen aus: „Tauben im Gras“
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